Teil eines Werkes 
2. Band, Problematische Naturen : 2. Band (1866)
Entstehung
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Zweiter Band. 167

„Iſt es zu indiscret nach dem Namen Ihrer Fräulein Braut zu fragen?“

„Bewahre: Sophie Robran.“

„Ich hatte während meines Aufenthalts in Grünwald zfter das Vergnügen, mit Fräulein Robran in Geſellſchaft zuſammenzutreffen. Mein würdiger Freund, der Profeſſor Berger nennt ſie den einzigen Schwan in einer gewaltigen Heerde von Gänſen.“

„So waren Sie längere Zeit in Grünwald?“

„Ich komme eben von dort her, nachdem ich ein halbes Jahr in den ſchattig⸗ſtillen Straßen der trefflichen Stadt ein äußerſt idylliſches Leben geführt, und unter Berger's Auſpicien meine Eramina abſol⸗ virt hatte.“

„Aber— Sie werden jetzt mit größerem Recht über meine In⸗ discretivn klagen— was beſtimmte Sie, wenn Sie dieſe Brücke der Lahmen und Blinden hinter ſich haben, der Wirkſamkeit in einem größeren Kreiſe, für die Sie doch offenbar vorzüglich befähigt ſind, das Stillleben eines Hauslehrers in einer adligen Familie vorzu⸗ ziehen, wo es Ihnen geradezu unmöglich wird, Ihre Kräfte frei zu entfalten?“

„Was mich dazu beſtimmte?“ antwortete Oswald,„ich weiß es ſelbſt kaum. Einmal wohl der gründliche Abſchen vor dem, was die Menſchen mit jenem, für ein planetariſches Gemüth ſo zußerſt be⸗ denklichen Ausdruck: eine feſte Anſtellung, bezeichnen; ſodann der Ein⸗ fluß Berger's, der mir dringend rieth, mich nicht vor der Zeit zu binden, ſondern noch ein paar Jahre in der Welt herumzuſinbade⸗ ſiren, wozu ich jetzt, wenn meinen Zöglingen die Flügel erſt noch ein wenig gewachſen ſein werden, ſogar contractlich verpflichtet bin.“

„Wiſſen Sie, daß ich fürchte, oder vielmehr hoffe, Sie werden nicht im Stande ſein, dieſem Rath ihres wunderlichen Freundes bis zum Ende zu folgen?“

„Weshalb?“

„Weil— Sie erlauben, daß ich ganz offen kin— weil Sie ſich hier in einer ſchiefen Stellung befinden, die über kurz oder lang un⸗ leidlich für Sie werden muß. Eine ſolche Stellung iſt nur gut für Jemand, der, weil er nicht auf eigenen Füßen ſtehen kann, gezwungen