Zweiter Band. 163
verderblichen Ausgang dies beſtändige Brüten über demſelben qual⸗ vollen Räthſel geführt haben würde, wenn nicht ein Ereigniß einge⸗ treten wäre, das ihn ſehr gegen ſeine Vermuthung und ſeinen Wunſch, zwang, in die Geſellſchaft, die er jetzt ſo gründlich haßte, zurückzu⸗
„
kehren. Dreizehntes Capitel. 2 Als er nämlich an einem der folgenden Tage gegen Abend nach einer Abweſenheit von mehreren Stunden ſich wieder dem Dorfe
näherte, ſah er vor der Thür von Mutter Karſten's Wohnung einen mit zwei Pferden beſpannten Wagen halten. Dies war etwas ſo ganz Außerordentliches in dem von allem Verkehr abgeſchnittenen Saſſitz, daß Oswald ſich wohl denken konnte, es müſſe auch etwas ganz Beſonderes ſich unterdeſſen ereignet haben. Um den Wagen und an die Thür des Häuschens drängten ſich Frauen und Kinder und die paar Männer, die nicht mit auf dem Fiſchfang waren. Sie wollten wiſſen, ob der alte Steffen, Mutter Karſten's Vater, diesmal wirklich ſterben müſſe, oder ob es dem jungen Doctor, nach dem Mutter Karſten vor einigen Stunden die raſche Stina geſchickt hatte, gelingen werde, ihn noch einmal von ſeinem böſen Stickhuſten zu curiren. So erzählten ſie Oswald mit verſtörten Mienen und gegen die Gewohnheit redſelig, als er fragend unter ſie trat. Denn Vater Steffen war der Patriarch des Dorfes, von Allen geehrt, auch von Oswald, der auf dieſe Nachricht hin, ohne ſein Incognito zu bedenken, in das Haus und die Wohnſtube eilte. Der ſilberhaarige Greis ſaß in ſeinem Lehnſtuhl, matt und bleich, aber, wie es ſchien, der Gefahr entriſſen— Dank der rechtzeitigen Hülfe des Doctor Braun, der ſo eben vor den Dankſagungen der tief gerührten Mutter Karſten, ihrer Töchter und eines halben Dutzend anderer Frauen nach der Thür
retirirte.
„Gut, daß Sie kommen,“ rief er dem eintretenden Oswald ent⸗
gegen;„ich habe einen Auftrag an Sie; wollen Sie mir erlauben, 11*½


