Teil eines Werkes 
2. Band, Problematische Naturen : 2. Band (1866)
Entstehung
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Zweiter Band. 43

gemein, daß Herr Timm ſie offenbar unter Umſtänden mit einer beſ⸗ ſeren vertauſchen konnte.

„Bitte tauſendmal um Entſchuldigung,“ ſagte er lachend, indem er ſich vor der Baronin ohne alle Förmlichkeit verbeugte und dem Paſtor vertraulich zunickte,„daß ich die Unterhaltung der Herrſchaften durch mein lyriſches Intermezzo ſtören mußte, aber ich wußte mir wirklich nicht anders zu helfen, da ich nicht die Ehre habe, Frau Baronin, Ihre Bedienten namentlich zu kennen, trotz alles Suchens keinen Klingelzug auf dem Flur entdecken konnte, und ſchon vergeblich in vier Thüren hineingeſehen hatte. Hätte ich ahnen können, daß die fünfte, welche ich übrigens gar nicht bemerkt hatte, von dem Herrn Baron ſelbſt geöffnet werden ſollte, ſo würde ich mir natürlich meinen muſikaliſchen Vortrag erſpart haben, der allerdings nur für das we⸗ niger empfindliche Ohr eines in der Nähe befindlichen dienſtbaren Geiſtes berechnet war.— Wie befinden Sie ſich, Frau Baronin? An⸗ gegriffen von der Hitze? Wäre kein Wunder— fünfundzwanzig Grad im Schatten— reine Treibhaus⸗Temperatur.— Ich ſoll Sie von Ihrer Frau Gemahlin grüßen, Herr Paſtor; ſprach ſie vor einer Stunde in Faſchwitz. Sie wird gegen Abend mit dem Einſpänner herüberkommen, Sie abzuholen.— Mit der Vermeſſung von Saſſitz wären wir fertig, Herr Baron. Wenn es Ihnen recht iſt, will ich jetzt ſogleich die Karten zeichnen, wenn die Frau Baronin die Güte haben will, mir ein Zimmer des Schloſſes einzuräumen.“

So ſprach Herr Timm und griff in die Taſche nach ſeinem Ta⸗ ſchentuche, um ſich die von Schweißtropfen perlende Stirn abzutrock⸗ nen. Da er ſich aber noch zur rechten Zeit darauf beſann, daß das betreffende, ſo überaus nützliche Stück der Toilette ſich für den Augen⸗ blick bei ihm in einem keineswegs ſalonfähigen Zuſtand befand, ſo ließ er es, wo es war, fuhr mit der Hand über Stirn und Haar, und ſchaute ſo vergnügt um ſich, als ob ihm die Grenwitzer Beſitzun⸗ gen, die er im Schweiß ſeines Angeſichts vermeſſen mußte, erb⸗ und eigenthümlich gehörten.

„Gewiß;“ ſagte die Baronin, bei der Herr Ti auffallenden Anſpruchsloſigkeit in großer Gunſt ſta ſüchtig wie ſie war, oder gerade, weil ſie