Problematiſche Naturen.
Schläfe der ſchönen Ohnmächtigen reichlich benetzt wurden, dauerte es doch einige Minuten, bis Hortenſe nur ſo weit zu ſich kam, um mit blaſſen Lippen den ſie umgebenden Damen ihren Dank zuzulächeln, und ſie mehr mit Blicken, als mit Worten zu bitten, ſie aus dem Ballſaale zu führen, was denn auch bald geſchah. Die Zurückbleibenden ſahen einander an, als wenn ſie fragen wollten, was hatte denn das zu bedeuten?
„Mit dem Balle iſt es nun wohl vorbei?“ fragte Adolph von Breeſen, der mit ſeiner jungen Couſine Lisbeth, welche er an⸗ betete, zum Cotillon engagirt war, kleinlaut Oswald, der neben ihm ſtand.
„Ich fürchte, ja,“ antwortete dieſer.
„Wir tanzen doch weiter?“ fragte eine dritte Stimme.
„Unmöglich,“ ſagte Herr von Langen,„ich habe ſchon anſpannen laſſen.“
„Was war denn eigentlich das vorhin für eine Geſchichte zwiſchen Barnewitz und Cloten?“ fragte ein Anderer.
„Was wird's ſein? Sie haben Beide ein Glas über den Durſt getrunken. Das iſt Alles,“ ſagte von Langen.
„Es ſollte mich ſehr freuen, wenn das Alles wäre,“ ſagte von Breeſen;„aber ich fürchte, dahinter ſteckt mehr. Ich hörte, daß Clo⸗ ten über Hals und Kopf davon gefahren iſt.“
Herr von Barnewitz erſchien an Oldenburgs Seite in dem Ball⸗ ſaal. Das Geſicht des Barons war ſo ruhig wie immer, aber das des andern Edelmanns war von Aufregung, Zorn und allzureichlich genoſſenem Wein purpurroth; ſeine Augen ſchwammen, und ſeine Stimme war etwas lallend, als er jetzt den Herren, die ihm in den Weg kamen, zuredete, den Ball fortzuſetzen.
„Aufhören, nach Hanſe fahren— dummes Zeug— laſſe keinen Menſchen vom Hofe— Heda! Champagner hierher— Nach Hauſe? Warum? meine Frau wird alle Augenblicke ohnmächtig, mit und ohne Grund— da könnte ich gar keine Geſellſchaft geben. Wuſik anfangen!“
Aber trotz dieſer gaſtfneundlichen Worte, deren Wirkung durch
das allzuſichtlich aufgeregte Weſen des Sprechenden weſentlich be⸗


