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Problematiſche Naturen.
Champagner?“ Oswald nahm ein Glas Wein und leerte es auf einen Zug.„Fortgefahren— ohne Abſchied! Vortrefflich,“ mur⸗ melte er, indem er ſich in den Ballſaal zurückbegab.
Und immer nächtiger wurde es in ſeiner Seele. Jetzt zürnte er nicht mit ſich, daß er die Geliebte ſo ſchnöde gekränkt und ſie ſo ge⸗ kränkt hatte ziehen laſſen, ſondern ihr, daß ſie fortgegangen war, ohne ihm Gelegenheit zu geben, ſie um Verzeihung zu bitten. Ihm war zu Muthe, wie einer Seele zu Muthe ſein könnte, die in ihren Sünden zur Hölle gefahren iſt, weil ſie des Prieſters Abſolution verſchmähte, und die nun gegen ſich ſelbſt und gegen den unſchuldigen Prieſter wüthet. Tolle Gedanken wirbelten durch ſein überreiztes Gehirn— es wäre ihm eine Wolluſt geweſen, wenn einer von dieſen jungen Adeligen, durch ſeinen Uebermuth beleidigt, ihm feindlich entgegen⸗ getreten wäre. Ja, er legte es darauf an, er witzelte und ſpöttelte auf die übermüthigſte Weiſe; aber entweder verſtanden die Halb⸗ berauſchten ihn nicht oder ſie hatten noch ſo viel Verſtand behalten, einzuſehen, daß ein Duell mit einem Manne, deſſen Kugel unfehlbar war, eine Sache ſei, die wohl bedacht ſein wolle. Er ſuchte ſich zu überreden, daß von den anweſenden Damen mehr als eine vollkommen ſo ſchön und liebenswürdig ſei wie Melitta— daß es lächerlich ſei, ſich um die Abweſende zu grämen, da ihn hier mehr wie ein feuriges Auge zu entſchädigen verſprach... Warum ſollte er ſich nicht in Emilie von Breeſen verlieben? Warum nicht? Sie war eine Knospe, die zu einer wundervollen Roſe aufblühen mußte. Warum ſollte er nicht den erſten Blick in dieſes ſchwellende Knospenleben thun? ſich nicht zuerſt an dem Duft dieſer friſchen Blume berauſchen? Und war ſie nicht ſchlank und geſchmeidig wie ein Reh? und war ihr roſiger Mund nicht ſchon zu einem wollüſtigen Kuſſe halb geöffnet? und blickte ſie nicht mit ſo großen, grauen, halb ſcheuen, halb kecken, halb neu⸗ gierigen und halb verſtändnißklaren Augen zu ihm auf, wie er jetzt über die Lehne ihres Stuhls gebeugt mit ihr ſchwatzte?..
„Sie müſſen uns ja beſuchen, Herr Stein! Ich lade Lisbeth noch dazu, und dann reiten wir zuſammen ſpazieren.“
„Laſſen Sie Fräulein von Meyen nur zu Hauſe. Ich ziehe die Duetts den Terzetts bei weitem vor.“


