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Auf Lebrecht's Stirn hatte eine glühende Wolke gelegen von dem Moment, daß Aennchen's lächelnde Lippen das ver⸗ hängnißvolle Wort ſprachen. Ob Bertram ihn verraten, wie ſie zu dem Schlüſſel gekommen— darüber auch nur eine Ver⸗ mutung aufzuſtellen, blieb ihm keine Zeit, und es war ja auch gleichgültig. Er wußte, er fühlte nur das Eine: deine Reue, deine Buße— Alles zu ſpät! zu ſpät! Er hätte vor Scham vergehen mögen zu den Füßen der Zauberin, die, holdſelig lächelnd, in ſüßem, neckiſchem Spiel mit leichter linder Hand die ſchweren Bande löſte, in die ihn ſeine Thorheit, ſein arm⸗ ſeliger Unglaube an die Unendlichkeit ihrer Güte und Liebe verſtrict.
Und während er noch— ein ſchwacher, beſchämter Menſch — das unverdiente Gnadenwunder anſtaunte— welch' neuer Lichtglanz war das, der jetzt ſein trunkenes Auge ſchier blen⸗ dend traf? Konnte es denn ſein? Ihr Trübſinn von vorhin — ihre übermütige Luſt jetzt— die Andeutungen Bertram's — die unerklärliche Gegenwart des Aſſeſſors— des Polizei⸗ dieners, der ihm auf dem Bahnhof überall hin gefolgt war— ſie hatte auch das gewußt, getragen, verſchwiegen— ſie, die er nicht für großherzig genug gehalten, über eine Erbärmlich⸗ keit wegzukommen!—
Der ſtarke Mann brach faſt zuſammen unter dem Ueber⸗ ſchwang des Glückes, das ihn überſchauerte. Er taumelte von ſeinem Sitz auf wie ein Trunkener, er ſtürzte nach dem Schrank, er riß die Thür auf:
Hans!.
Hans hatte ſich aus dem Dunkel des Schrankes heraus ſo ſchnell in die weit ausgebreiteten Arme des geliebten Herrn geſtürzt— man wußte kaum, war er aus dem Schrank ge⸗ kommen? war er aus dem Boden gewachſen? Selbſt Aenn⸗


