und Keiner weiß was, und man läßt die Leute in der Stadt reden und redet ſelber mit, ja und noch viel Schlimmeres, daß einem armen Mädchen, das erſt ſechs Wochen im Hauſe iſt, die Haare zu Berge ſtehen, während der Herr Fliederbuſch blos weggelaufen iſt, und ich habe ihn gewiß gern gehabt, wenn er bei Mutter Ihlefeldt immer der Tollſte war; aber jetzt wünſchte ich, er hätte ſo viel Trachten Schläge gekriegt, als er Tage weg iſt— dann würde er wol wiederkommen.
Was das Wiederkommen betrifft, daran läßt er es nicht fehlen; er hat ſich heute Abend ſchon zweimal gemeldet, ſagte der alte Nebelow, der, von den beiden eifrigen Frauen merkt, eben in die Küche getreten war.
Wenn Sie noch einmal ſo was ſagen, dann ſchrei' ich! ſagte Dörthe.
Er hat ſich gemeldet? wo denn? wann denn? wie denn? ſo reden Sie doch! rief Frau Uelzen.
Der Alte hatte den Kaſten, den er unter dem Arm trug, auf den Anrichtetiſch fallen laſſen, daß die Löffel zum Theil herausrollten, und ſich ſelbſt auf den Seſſel, von dem Frau Uelzen in ihrem erſten Schrecken aufgeſprungen war, und ſaß jetzt ſo da mit ſchlotternden Knieen, während die blutunterlau⸗ fenen, wäſſerigen Angen auf die Flieſen ſtierten.
So reden Sie doch! rief Frau Uelzen noch einmal.
Oder ich ſchreie! rief Dörthe.
Laß ihn nur erſt zu ſich kommen! ſagte Frau Uelzen.
Sie hatte aus dem Küchenſchrank eine Flaſche genommen
und ein Gläschen vollgeſchenkt, das ſie dem Alten unter die ſe hielt. Der hatte es mit zitternder Hand empfangen, dann aber auf einen Zug geleert, räuſperte ſich und ſagte, immer vor ſich hin auf die Flieſen ſtierend, mit ſeiner hohlen Stimme: So um ſieben— eine Stunde, ehe die Herrſchaften kamen.


