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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Den 7. Januar 1844.

Geſtern Abend um fünf Uhr war der Salon des Herrn Simon beleuchtet, wie an dem Tage, wo dieſe Ge⸗ ſchichte begonnen hat; der Speiſeſaal war für ein zahl⸗ reiches Diner zugerichtet. Herr Simon ſaß an einer Ecke ſeines Kamins, ſchürte nach ſeiner Gewohnheit, und ſchaute zuweilen nach der Uhr, deren Zeiger indeſſen für ſeine Ungeduld nicht ſchnell genug vorrückte. Auf der an⸗ deren Seite des Kamins ſaß Sabine in einem weiten Fau⸗ teuil. Es war nicht mehr das junge Mädchen vom erſten Tage, nicht mehr die Jungfrau mit dem ſtolzen Blicke, mit dem ſpöttiſchen Lächeln, ihre Schönheit erhaben in den Lüften tragend, und gar nicht bemüht, den Ueberdruß und die Langeweile, die ſie empfand, zu verbergen; es war ein bleiches, ſchwaches, in ſich ſelbſt verſenktes Kind, mit einem ſanften Lächeln auf den Lippen, mit einem um⸗ herirrenden, aber dennoch ſtrahlenden Blick, von einem Ge⸗ danken erfaßt, der der Langenweile keinen Raum mehr geſtattete.

Madame Simon kam und ging, wie am erſten Abend, ordnend, befehlend, ihr Haus ſchmückend. Von Zeit zu Zeit, und wie am erſten Tag, ſtand ſie ſtille, um Sa⸗ binen anzuſchauen, aber es war nicht der unruhige, un⸗ zufriedene Blick, womit ſie an dieſem Tag die Ausrufun⸗ gen ihrer Mündel aufgenommen hatte; es war ein Blick voll reiner Luſt, der ſich darin geſiel, die zarte, ruhige Freude eines Herzens zu erſchauen, das ſo viel gelitten hatte. Dann näherte ſie ſich Sabinen und drückte ihr einen Kuß auf die Stirne. Sabine ſchlug die Augen auf und lächelte ihrer Vormünderin mit einer ſanften Bewe⸗ gung des Kopfes zu. Herr Simon betrachtete dieſes Schau⸗ ſpiel aus einem Winkel ſeines Auges; ſeine Gattin trat ihm näher, ergriff ihn bei der Hand und warf ihm eben⸗ falls ein Lächeln zu, welches ſagen wollte:Dank Dir,