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Von Tag zu Tag : Gegenstück zu den "Pariser Mysterien" von Eugen Sue : vier Theile / von Frederic Soulié ; nach dem Französischen von August Zoller
Entstehung
[Giessen] [2025]
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294 daß ich Sie nicht verſtehe, daß ich Sie nicht zu verſteheh wage. haben Sie Mitleid mit mir..“

„Nun wohl! wenn Sie, der Sie ſich für ſo unglück⸗ lich, für ſo beklagenswerth halten, für mich vermöchten, was Niemand in der Welt vermag...“

„Ich... rief Silveſtre.

Sabine ſchlug die Augen vor dem glühenden Blick Silveſtre's nieder.

„Ja,“ fuhr ſie fort,„ich bin zu Ihnen gekommen, weil.. doch, wie ſoll ich Ihnen dies ſagen.. Sie wiſſen, daß ich leide nicht wahr, das wiſſen Sie... nicht wahr, Sie begreifen, daß es Dinge gibt, deren ich mich zu ſchämen habe, daß das, um was man mich beneidet, ein Unglück, ein Vorwurf für mich iſt.“

„Ah, Sie haben ſich nichts vorzuwerfen, ich ſchwöre es Ihnen...“

„Ich danke, es iſt gut von Ihnen, daß Sie mir das ſagen,“ erwiederte Sabine zitternd.„Aber mein Vormund hatte geglaubt, ich müßte das Uebel wieder gut machen, an dem ich nicht Schuld bin.“

„Ahermals,“ ſprach Silveſtre erbleichend und ſtets

von dem Gedanken an eine beſchimpfende Wiedererſtattung erfüllt...„iſt es noch nicht genug?“

„O! das iſt ſchlimm; ich habe Sie wegen einer Belei⸗

digung um Verzeihung gebeten, und bin nicht gekommen, um ſie zu wiederholen.. Nein, mein Vormund dachte, es ſey ein Titel, dem man nichts verweigern könne

was gemeinſchaftliches Gut wird.. ſey kein Geſchenk..“

Ein innerer Zwang verhinderte Sabine, weiter zu ſprechen... Silveſtre ſchaute ſie an, erſchreckt von ſeinen Gefühlen. Sabine erwartete ein Wort, das nicht kam, und ſprach, ſich abwendend, um ihre Thränen zu verbergen:

„Wenn Sie mich nicht verſtehen, ſo habe ich nichts mehr zu ſagen.“

Silveſtre hatte ſie begriffen, er errieth, daß dieſes

Mädchen gekommen war, um ihm Hand und Vermögen anzubieten. Aber der Zweifel, der abſcheuliche Zweifel