Erſter Band.
floſſen, in einer erſchreckenden Weiſe heruntergeſpült zu werden, und die nackte, troſtlos dürftige Natur kam überall zum Vorſchein. Die jungen Herren erzählten den jungen Damen ihre Abenteuer auf der Jagd, bei den Pferderennen, ihre Heldenthaten während ihrer militä⸗ riſchen Dienſtzeit, oder gefielen ſich in Unterhaltungen, die ſcherzhaft und galant ſein ſollten, und die für jedes feinere weibliche Gemüth einfach plump und zweideutig waren. Indeſſen ſchienen die jungen Damen leider an dieſe Sorte Unterhaltung viel zu ſehr gewohnt zu ſein, als daß dieſelbe irgend einen unangenehmen Eindruck auf ſie hätte hervorbringen können. Im Gegentheil, ſie ließen ſich ein Glas Champagner nach dem andern aufnöthigen, ſie wollten ſich todtlachen über die reizenden Einfälle der jungen Herren, beſonders des jungen Grafen Grieben, eines ſehr langen, ſehr dünnen und ſehr blonden Jünglings, deſſen Erſcheinung flüchtig an eine Giraffe erinnerte, und der, wenn er, wie diesmal, nicht in unmittelbarer Nähe Oldenburg's ſich befand, gern den ſtarken Geiſt ſpielte und eine gewiſſe Autorität über ſeine Kameraden ausübte. Oldenburg ſelbſt ſchien entweder ein feuriger Verehrer des Gottes Bacchus zu ſein, oder ein ganz be⸗ ſonderes Vergnügen darin zu finden, den bacchantiſchen Taumel um ſich her gefliſſentlich zu vermehren; denn er trank und ſprach un⸗ aufhörlich und forderte die Andern unausgeſetzt zum Trinken auf. Beſonders hatte er dabei von Cloten im Auge, der im Anfang der Mahlzeit, durch Hortenſe's Vorwürfe aufgeſchreckt, ſehr ſtill und verlegen geweſen war, kaum aber eine Flaſche getrunken hatte, als er die ſchönen Vorſichtsmaßregeln, die ihm ſeine Geliebte in aller Eile für dieſen kritiſchen Fall gegeben, vergaß, und ihre abwehren⸗ den Blicke mit deſto feurigeren, und ihr geflüſtertes:„Aber Arthur, nimm Dich doch zuſammen;“ mit einem faſt hörbaren:„Aber, Kind, was willſt Du nur? es achtet kein Menſch auf uns,“ beant⸗ wortete. Ja, der junge Edelmann trieb die Unvorſichtigkeit ſo weit, bei einer Gelegenheit, unter dem Vorwande ein Tuch aufzuheben, Hortenſe's herabhängende Hand zu küſſen, ein andermal ihr Glas ulit dem ſeinen zu vertauſchen; mit einem Worte, er benahm ſich ſo, daß, wer das Verhältniß der Beiden noch nicht kannte, es heute 14*


