erichtet, ne Frau
tendſten
Erſter Band. 209
ſich von dieſem ironiſchen Toaſt auszuſchließen.. Die kryſtallenen Gläſer klangen aneinander, und bald flackerte eine lebhafte Unter⸗ haltung um den ganzen Tiſch herum auf, wie das Feuer in einem Haufen Stroh, der an allen Ecken und Enden zugleich angezündet iſt; jene ſchwirrende, ſummende, kichernde, lachende, lärmende, flüſternde Unterhaltung, wo der geiſtreichſte Einfall und die albernſte Bemerkung zuletzt als gleich werthvolle oder werthloſe Münze courſiren.
„Achte auf Deine Augen, Oswald,“ ſagte Melitta, in jener ra⸗ piden Weiſe, wo die Rede ſich kaum vom Hanch unterſcheidet und doch jede Sylbe deutlich gehört wird.—„Deine holden Liebesbriefe werden von profanen Augen unterwegs aufgefangen, erbrochen und geleſen.“
Von Cloten hatte Hortenſe vergeblich zu überreden geſucht, es ſei ihres Gemahles eigener Wunſch geweſen, daß er ſie zu Tiſche führe.
„Sei doch nicht ſo einfältig, Arthur,“ ſagte die junge Frau. „Es iſt eine Intrigue von Oldenburg, verlaß Dich darauf. Haſt Du je mit Oldenburg über mich geſprochen?“
„Nein, Hortenſe— parole d'honneur.“
„Ich bin überzeugt, Du haſt es gethan; Du wirſt mich noch unglücklich machen mit Deiner alberen Schwatzhaftigkeit.“
„Aber, Hortenſe—“
„Still, Oldenburg beobachtet uns fortwährend.“
„Cloten!“ rief der Baron.
„Was? Baron!“
„Wollen Sie in dieſem Herbſt mit mir nach Italien reiſen? Sie wiſſen, in der bewußten Angelegenheit.“
„Ginge raſend gerne mit, Baron; aber Sie wiſſen, tauſend Gründe dagegen; erſtens Jagd, zweitens Pferderennen, drittens haſſe Reiſen, viertens verſtehe kein Wort italieniſch.“
Rln, das iſt das Wenigſte. Was man nothwendig wiſſen muß, beſchränkt ſich auf Si Signore, Anima mia dolce, das Andere läßt
man ſich von den Fiſchern ſagen.“
Von Cloten errithete bis in die Stirn hinauf, denn, wie Olden⸗ burg dieſe Worte lahend ſprach, fühlte er Hortenſens Fuß auf dem Fr. Spielhagen's Werke 1. 14


