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rſter Band.
Meranüaen haben, Sie zu Tiſch
Erſter Band. 203
ſeiner tollen Laune beitrugen. Daß er ſich auf einem ſehr glatten Boden bewegte, wußte er ſehr gut; aber die Nähe der Gefahr, welche die ſchwachen Geiſter lähmt, läßt ſtarke Herzen nur deſto muthiger pochen: und das Bewußtſein, wie er ſich jeden Augenblick einer im⸗ pertinenten Beleidigung verſehen könne, gab ſeinem Benehmen den Junkern gegenüber eine Kühnheit, ſeinem Auftreten eine Sicherheit, die, wenn ſie einerſeits den Unwillen dieſer Herren herausforderte, andererſeits für ſie die Kluft zwiſchen Wollen und Vollbringen geradezu unüberſteiglich machte. Und übrigens muß zur Ehre dieſer jungen Adligen bemerkt werden, daß ſich in einer Schaar von zwölf oder vierzehn denn doch zwei oder drei fanden, welche von Vorurtheilen nicht ſo ſehr befangen waren, daß ſie Oswalds ritterliches Weſen nicht gern hätten gelten laſſen. So Herr von Langen, welcher ſeinen Arm vertraulich unter den Oswalds ſchob, und in der Pauſe mit ihm im Saale freundlich plaudernd auf⸗ und abſchritt; ſo der junge von Breeſen, der hübſcheſte und gewandteſte von der Schaar, welcher Oswald bat, ihm ein paar Lectionen im Piſtolenſchießen zu geben, und als ſeine Schweſter durch Unachtſamkeit eine Verwirrung im Tanz angerichtet hatte, zu ihm kam, ihn im Namen der jungen Dame um Entſchuldigung bat und ihn zu ihr führte, damit ſie ſich ſelbſt ent⸗ ſchuldigen könne; ſo endlich ſelbſtredend Baron Oldenburg, der die Tugenden Oswalds als Tänzer und Schütze gegen mehr als Einen bis in den Himmel erhob, wobei es nur nicht ganz erſichtlich war, ob er dies aus aufrichtiger Ueberzeugung oder mehr in der Abſicht that, ſeine jungen Standesgenoſſen gründlich zu ärgern.
Dieſer dankbaren Aufgabe konnte er ſich mit um ſo größerem Behagen unterziehen, als er auf Herrn von Barnewitzens Frage, ob er ſpielen wolle, geantwortet hatte: ja, wenn Pharo geſpielt wird; und auf Lisbeths von Meyen Bemerkung, ob er denn nicht zu tanzen gedenke, geäußert hatte:„Meine Gnädige, in dieſem Augenblick be⸗ daure ich es zum erſten Male in meinem Leben, daß mich mein Tanz⸗ lehrer nie dahin bringen konnte, die erſte Poſition von der zweiten, und mein Muſiklehrer ebenſo wenig, einen Walzer von einem Choral zu unterſcheiden.“ So trieb er ſich denn bald zwiſchen den Spieltiſchen um⸗ her, und weckte den leicht erreglichen Zorn des Grafen von Grieben


