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Meranügen haben Sie 3
Erſter Band. 195
die Hand auf die Schulter legend!„Cloten, Sie ſind ein großer Mann. Dieſer Gedanke bringt Sie in eine Reihe mit den tiefſinnigſten Denkern aller Jahrhunderte.“
„Ah, wah— reden Sie nun im Ernſt, Baron, oder ſcherzen Sie, wie gewöhnlich?“
„Lieber Cloten,“ ſagte Oldenburg, ſeinen Arm wieder unter de ſeines Begleiters ſteckend und weiter gehend;„laſſen Sie ſich ein für alle Mal geſagt ſein, daß es mir immer um das, was ich ſage, fürchterlicher Ernſt iſt, und der Gegenſtand, von dem wir ſprechen, iſt wahrlich von zu ungeheurer Bedeutung, als daß er eine ſcherzhafte Behandlung vertrüge. So hören Sie denn— aber machen Sie keinen ungeeigneten Gebrauch von der Sache, Cloten—“
„Gott bewahre— parole d'honneur!“
„So hören Sie denn, daß dieſelbe Frage, deren richtige Beant⸗ wortung Sie mit dem ſichern Tacte des Genies ſofort fanden, mich jahrelang beſchäftigt hat. Auch ich ſagte mir: der Unterſchied zwiſchen Adligen und Bürgerlichen iſt kein bloßer Unterſchied des Namens, des Standes— er iſt ein Unterſchied des Blutes, des Gemüthes, der Seele— enfin: der ganzen Natur. Wie können nun zwei ſo ver⸗ ſchiedene Weſen von demſelben Menſchenpaare abſtammen? Wo bleibt der Unterſchied, wenn ſie von einem Menſchenpaare abſtammen? Der Geiſt verwirrt ſich in dieſem ſchauderhaften Widerſpruch.“
„Gott, Baron, endlich ſprechen Sie doch einmal wie—“
„Wie ein Baron. Hören Sie weiter. Dieſe Frage beſchäftigte mich ſo unausgeſetzt, daß ich endlich beſchloß, ſie zu löſen, es koſte, was es wolle. Ihr habt Alle über mein einſames Leben, über mein Studiren und ſo weiter geſpottet. Wiſſen Sie, Cloten, was ich ſtudirte, während Ihr Euch auf der Jagd, oder beim Pharao amüſirtet?“
„Nein— auf Ehre—“
„Aramäiſch, chaldäiſch, ſyriſch, meſopotamiſch, hindoſtaniſch, gango⸗ bramaputraiſch— ſanscrit—“
„Herr Gott des Himmels! Das iſt ja ſchauderhaft! Wozu?“
„Weil ich die feſte Ueberzengung hatte, daß ſich in den Klöſtern 13*


