Tag, mit Ausnahme von Malte, der ſeinen Reif in den meiſten
46 Problematiſche Naturen.
Fällen, wo er ihm nicht unmittelbar auf den Stock geflogen kam, fallen ließ, eine Gelegenheit, die Melitta, ſeine Nachbarin, zum großen Aerger Bruno's, der die Spielregeln eingehalten wiſſen wollte, jedes⸗ mal benutzte, ihren Reif aus der Reihe einem der Mitſpieler blitz⸗ ſchnell über den Kopf zu ſchleudern, wobei Oswald nicht umhin konnte, zu bemerken, daß Melitta ihn häufiger wie die Uebrigen auf dieſe Weiſe auszeichnete.
Unterdeſſen war der Abend tiefer herabgeſunken; der alte Baron hatte eine ſchwache Spur von Thau auf dem Raſen bemerkt; Abend⸗ thau aber war nach ſeiner Meinung reines Gift für Malte, der als kleines Kind eine Zeit lang viel an der Bräune gelitten hatte, und er mahnte deshalb dringend, das Spiel rinzuſtellen. Melitta fand, daß es hohe Zeit für ſie ſei, aufzubrechen, und bat, ihrem Reitknecht Befehl zu geben, die Pferde zu ſatteln. Bruno war fortgeſprungen, den Auftrag auszurichten; die Baronin mit Mademviſelle in das Zimmer getreten; der Baron beſchäftigt, Malte, der ſich durchaus 3 erkältet haben ſollte, ein dickes Shawltuch um den Hals zu wickeln; Oswald und Melitta waren zum erſten Male ſeit ihrer unterbroche⸗ nen Converſation von vorhin allein geblieben. Melitta hatte von einem Roſenſtrauch, der zu den Füßen der Flora wuchs, eine Roſe gepflückt und betrachtete ſinnend die köſtliche Blume.
„Verzeihen Sie, mein Herr,“ ſagte ſie plötzlich, leiſe und raſch, aber ohne die Augen aufzuſchlagen,„daß ich vorhin die Unſchicklich⸗ keit beging, Sie ohne weiteres um einen Beſuch zu bitien, der Ihnen am Ende beſchwerlich fällt, aber—“
„Kein Aber, gnädige Frau; ich wiederhole im Ernſt, was ich vorhin aus bloßer Höflichkeit jagte, daß ich mich glücklich ſchätzen würde, Ihnen irgendwie dienen zu können.“
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„Sie kommen alſo morgen?“ „Wie Sie befehlen.“ „Nein: wie ich wünſche.— Sehen Sie nur, wie wundervoll dieſe Roſe iſt! Lieben Sie auch die Roſen ſo?“
„Ich liebe Alles, was ſchön iſt,“ ſagte Oswald, nicht au 3 Roſe, ſondern auf Melitta blickend.


