38 Problematiſche Naturen.
Indiscretion! aber ich erinnere mich, daß Sie vor einigen Jahren, als der Baron von ſeiner erſten großen Reiſe zurückkehrte, einmal äußerten, wie Ihnen eine Verbindung mit Oldenburg wohl conveniren würde.“
„Damals kannte ich den Baron nicht, wie ich ihn leider ſeitdem kennen gelernt habe. Auch würde das Grenwitz' Wünſchen nicht ent⸗ ſprechen, der Helenen, glaube ich, nach einer andern Seite halb und halb verſprochen hat.“
„Nach einer andern Seite? doch nicht etwa an Ihren vortreff⸗ lichen Couſin Felir?“
„Wie geſagt, ich weiß nichts Beſtimmtes darüber; Grenwitz iſt ſo verſchloſſen; aber ich vermuthe es faſt daraus, daß er Felix be⸗ ſtimmt hat, auf ein Jahr Urlaub zu nehmen und dieſes Jahr bei uns zuzubringen. Seine Geſundheit ſoll ſehr angegriffen ſein.“
„Hoffentlich nicht ſo angegriffen wie ſein Vermögen,“ ſagte Melitta trocken.
„Sein Vermögen? Was wiſſen Sie denn von Felix Privat⸗ verhältniſſen?“
„Ich ſage nur, was alle Welt ſagt. Sie werden mir zugeben, Liebe, daß, wenn ſchon über Oldenburg die chronique scandalense nicht ſtumm iſt, ſie über Felir ſehr viel zu ſagen weiß, und an Stoff hat es ihr der Herr Lieutenant doch wahrlich nicht fehlen laſſen.“
„Felix iſt noch jung.“
„Nicht jünger als Oldenburg.“ „Fünf Jahre.“ S „Das ſieht man ihm wahrlich nicht an; freilich, er hat etwas
ſchnell gelebt, der gute Felix.“
„Man ſollte wahrlich glauben, liebe Melitta, daß Felix Ihnen näher ſtände, als es der Fall iſt. Aufrichtig, ich möchte gern wiſſen, was Sie von dieſer Heirath denken, im Folle Grenwitz vas Project nicht aufgeben ſollte.“
„Nun denn, aufrichtig: ich würde ſie für ein Unglück, für ein um ſo größeres Unglück halten, je ſchöner und unſchuldiger Helene iſt. Was, um Alles in der Welt, kann den Baron zu dieſer Heirath
—


