Teil eines Werkes 
1. Band, Problematische Naturen : 1. Band (1866)
Entstehung
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4 Problematiſche Naturen. unterſcheiden, ob aus gaſtfreundlicher Fürſorge, oder um dem Ge⸗ ſpräch, das, er wußte ſelbſt nicht wie, einen etwas lebhaften Charakter angenommen hatte, eine andere Wendung zu geben.

Ich danke, ſagte Oswald trocken.

Sie haben, fuhr die Baronin, ohne dieſe Unterbrechung zu beachten, fort,wenn ich den Profeſſor Berger, der uns an Sie wies, recht verſtanden habe, ſich bis jetzt noch nicht mit Unterrichten und Erziehen beſchäftigt, Herr Doctor?

Nein.

Sie werden mich außerordentlich verbinden, wenn Sie mir ge⸗ legentlich Ihre Grundſätze in dieſer Beziehung ausführlicher darlegen wollten. Ich bin zum voraus überzeugt, daß wir in den Haupt⸗ punkten einerlei Meinung ſein werden. Auf einige Differenzen in den Nebenſachen müſſen wir uns wohl Beide gefaßt machen. Ich werde Ihnen meine etwaigen Wünſche und Anſichten ſtets unverhohlen äußern und bitte Sie, gegen mich dieſelbe Rückſichtsloſigkeit zu beobachten. Was den Umfang der Kenntniſſe der Knaben anbelangt, ſo werden Sie ſich darüber bald ſelbſt ein Urtheil bilden. Auch Ihrem Urtheil über den Charakter der Kinder wünſche ich nicht porzugreifen; nur das glaube ich Ihnen ſagen zu müſſen, daß Sie in Mälte, unſerm Sohn, einen etwas verzogenen Knaben, und in Bruno Sie wiſſen, daß Bruno von Löwen ein entfernter Verwandter meines Mannes iſt, den wir nach dem Tode ſeiner Eltern zu uns genommen haben einen Knaben finden werden, der eben gar nicht erzogen und in Folge deſſen auch zum Theil ſehr ungezogen iſt.

Liebe Anna⸗Maria, ſaßte der alte Herr.

Ich weiß, was Du ſagen willſt, lieber Grenwitz, unterbrach ihn die Baronin,Bruno iſt nun einmal Dein erklärter Liebling, und unſere Anſicht über ihn wird wohl noch lange verſchieden blei⸗ ben. Uebrigens magſt Du auch wohl Recht haben, wenn Du be⸗ haupteſt, daß ich ihn nicht zu beurtheilen vermag, was übrigens we⸗ niger meine, als des Knaben Schuld iſt, deſſen düſteres verſchloſſenes Weſen alle Annäherung von unſerer, wollte ſagen, von meiner Seite beharrlich zurückweiſt.

Aber, liebe Anna⸗Maria,