VI.
Oih fand bei ſeinem Eintritt den Greis, wie er auf ſeinem Lehnſtuhle ſaß und das ſtiere Auge auf den Dolch, den er bei Michael's Namen hatte fallen laſſen, geheftet hielt. Es war, als bemerkte er den Eintritt ſeines Sohnes gar nicht, denn auch nicht
die kleinſte Bewegung ließ er bei dem Geräuſche ſeiner Schritte
wahrnehmen. Aber Otho hatte zu wenig Zeit, als daß er hätte warten koͤnnen, bis der Greis ſich aus dieſem Verſunkenſein her⸗ ausriß; er ging alſo auf ihn zu und ſprach mit lauter Stimme: „Vater, ich komme, um Euch das letzte Lebewohl des Sohnes zu bringen.“
„Nenne ihn nicht ſo,“ entgegnete ihm der Greis mit dem Blicke des Wahnſinnes,„nicht dieſen Namen gieb ihm, und weil er ſterben muß, ſoll er unerkannt ſterben.“
Bei dieſen Worten trat Otho einen Schritt zuruͤck und legte mechaniſch die Hand ans Schwert. Da erhob ſich der alte Herr von Terride und fuhr, indem er ſich Otho naͤherte, fort:„Du ſollſt ihn toͤdten, Du ſollſt mich rächen. Schone ihn nicht. denk an mich.. zerdrucke die Schlange, oder ſie zermalmt Dich⸗ wie ſie mich zermalmt hat.“
Otho dachte, ſein Vater verwechſele in ſeinem Wahnſinne die Perſonen, erkenne ihn nicht und meine ſeinen, Otho's, Tod. Es hatte zwar niemals große Anhaͤnglichkeit zwiſchen Beiden geherrſcht, ſelbſt noch ehe ſie die Leidenſchaft entzweite; aber er hatte doch bei ſeiner Ruͤckkehr ſeinem alten Grolle wider ſeinen Vater aufrichtig


