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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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„Ich glaube es nicht,“ entgegnete Credo bitter. „Du glaubſt es nicht?“ frug der Greis mitzſtierem Auge.

„Nein, gnaͤdiger Herr,“ verſetzte Credo mit dem Tone auf⸗ fallender Sicherheit.„Nein, die Graͤfin Signis wuͤrde es nicht thun; und hätte auch Euer Sohn ſeine Liebe bewahrt, die Grafin hat es nicht gethan.“

„Armer Ungläubiger,“ ſagte der Graf,„armer Unglaͤubiger! Betrachte dieſes Zimmer, nie iſt die Graͤfin uͤber ſeine Schwelle getreten, ohne bleich vor Ekel und Gram zu ſein. Hundert Male habe ich in den langen Naͤchten, wo Ihr wenigſtens ausruhen dürft, die ſchrecklichſten Kaͤmpfe gehabt, und wenn ich drohte, wenn ich bat, antwortete ſie mit verächtlichem Laͤcheln:„Armer Greis, warum nahmſt Du mir Deinen Sohn, den ich liebte?“

Da ſprang der Greis wuͤthend auf und rief:„Zwanzig lange Jahre, zwanzig Jahre, keine Minute Vergeſſenheit, keine Minute Mitleid mit dem Greiſe. Er, und immer nur er, und jetzt finden ſie ſich wieder, nein, das darf nicht ſein, eher ſoll er ſterben.“

„Herr und Meiſter,“ rief Credo,„Ihr wollt Eueren Sohn, der Euch rettete, tödten, nachdem Ihr ihn von Haus und Hof ver⸗ trieben habt? Das iſt nicht recht.“

Der Herr von Terride ging in dem Zimmer herum, von einer Wand zur anderen, als wenn er etwas ſuchte, und murmelte dabei vor ſich hin:

„Er, hab' ich geſagt, wohlan, er oder ſie! vielleicht er.. nein, ſie.“

Bei dieſen Worten wurde ſeine Stimme immer ſchwächer und ſchwächer, bis ſie ſich endlich in ein bloſes Summen verlor, wo Credo nur zuweilen die Worte: ſie er. unterſcheiden konnte. Endlich fiel der Alte auf ſeinen Lehnſtuhl zurück und ſagte:„Ich hatte mich doch für Eins von Beiden entſchieden!“

Nun trat wieder die gänzliche dumpfe Abgeſpanntheit ein, die ſich ſeiner nach jeder heftigen Anſtrengung bemaͤchtigte, und Credo wollte dieſen Augenblick benutzen, um ſich zurückzuziehen; da fing der alte Terride wie ein Kind zu weinen an und ſagte: