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Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
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III.

Whend meines Aufenthaltes am engliſchen Hofe trat bei einer vom König Johann veranſtalteten Jagd ein junger Menſch mit der dem wahren Muthe eignen Beſcheidenheit Sr. Majeſtät ent⸗ gegen und uͤberreichte ihm mit den Worten:„Leſet, Sire, und ſa⸗ get mir dann, ob ich meinen Weg weiter fortſetzen ſoll,“ ein Schreiben.„ 2

„Was iſt das?“ rief der Koͤnig in ſeinem ängſtlichen Mißtrauen. „Das Schreiben birgt doch kein Verbrechen?“ „Lies es,“ ſagte er dann zu mir gewendet,„und wir werden ſo⸗ gleich den Beſcheid ertheilen.“

Ich nahm es und kann nicht beſchreiben, mit welchem Schauder das an dem Pergamente herabhaͤngende Siegel mit

dem doppelten Kreuze von Toulouſe erfüllte Es war das

Siegel des Lehnsherrn, der zwanzig Jahre vorher, als mein Vater, von einer unſeligen Leidenſchaft enthrannt, mich des Verraths und der Felonie ſchuldig erklaͤren ließ, um ſeine Burg den Kindern ſeiner zweiten Gattin zu erhalten, mein Flehen zuruͤckſtieß. Die furchter⸗ lichſte Wuth bemächtigte ſich meiner, und haͤtte ich nicht die Ju⸗ gend des Boten geſchont, ich wuͤrde an ihm die Ungerechtigkeit ſeines Herrn geraͤcht haben. Ich las gedoch das Schreiben, und je weiter ich las, je weiter ich alle die Einzelheiten des Ungluͤcks meines Vaterlandes kennen lernte, verſchwand mein Zorn immer mehr; als ich endlich ſah, daß der edle Jüngling Aquitanien, die Bretagne und die Normandie zu Fuß allein durchwandert