Druckschrift 
Die Eroberung von Toulouse : eine historische Novelle / von Frederic Soulié ; aus dem Französischen übertragen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

9

ihre beiden Enden, zog ſie feſt zuſammen und ſchnürte dem Maͤd⸗ chen den Hals mit ſolcher Gewalt zu, daß ſie nur noch einen er⸗ ſtickten Wehlaut hervorbringen konnte, und in demſelben Augen⸗ blick, wo ſie mit der Hand nach dem Halſe fuhr, um ſich von der fürchterlichen Feſſel zu befreien, ſtürzte er ſie in den Strom.

Macht ſchnell, rief jetzt der Ritter ſeinen Leuten am Ufer zu, die Fähre iſt frei. Menſchen und Maulthiere wurden nun ſchnell in die Faͤhre geſchafft, und der Knappe, den wir vorhin hatten Roland nennen hoͤren, ſagte zu dem Herrn von Levis:

Ich fürchtete ſchon, Ihr wuͤrdet gegen Eueren Schwur, den Ihr dem Abte von St. Maurice geleiſtet habt, Menſchenblut ver⸗ gießen, ehe Ihr in das Schloß kommt.

Dann würde mir der heilige Legat Peter von Benevent auch Abſolution ertheilt haben, entgegnete der Ritter;mein Bedenken war, das Maͤdchen möchte einen Schrei im Todeskampfe ausſtoßen und dadurch die Wache am Ausfallpfoͤrtchen aufmerkſam machen; ſo aber habe ich den Erfolg meines Unternehmens geſichert und dabei doch mein Wort gehalten.

Gelobt ſei Gott, gelobt ſei Gott, erwiederte Roland,daß er uns dieſe herrliche Liſt eingegeben; es bewies wieder, daß er alle Unternehmungen der ihm geweihten Streiter beguͤnſtigt.

Bei dieſen Worten verduͤſterte ſich die Stirne des Ritters, der wohl nicht ſo ſicher in ſeiner Ueberzeugung ſein mochte. Eine Minute darauf waren ſie am jenſeitigen Ufer angelangt, und nach zwei ſchnellen Ueberfahrten zogen bald nachher ungefähr zwanzig Roſſe und Reiſige am Fuße des Schloſſes hin und bogen ſachte von der Landſtraße in den nach der Ausfallpforte fuͤhrenden Weg ein. Hier zeigte ſich Guy nicht etwa allein, wie bei der Fähre, verlangte auch keinen Einlaß, ſondern ſagte nur zu der Wache: Credo, ich bringe hier eine gute Beute auf das Schloß Terride's; koſtbare Waaren, welche aragoniſche Kaufleute bis nach Toulouſe brachten, und wenn die Edeldamen der Burg das Reichſte und Beſte ſich werden ausgeſucht haben, ſoll das Uebrige unter die Mannſchaft der Burg vertheilt werden.