190
altem Suͤnder ſo große Gnade. Soll ich nun noch zögern, die lang Vermißte an mein Herz zu ziehen? Sieh' hier das Bild,“ ſprach der General, und ließ Leontin das Gemälde ſei⸗ ner Schweſter ſehn, welches es bis jetzt ſeinen Sohnen verheimlicht hatte.
Leontin betrachtete das Bild mit Ent⸗ zuͤcken, ſeiner geliebten Joſephe Augen ſtrahl⸗ ten ihm entgegen, doch ſie war es nicht ſelbſt, ſeufzend gab er es zuruͤck.„Was ſoll denn jetzt geſchehen, mein Vater?“ fragte er dieſen, „wollen wir Ihre Schweſter aufſuchen?“
„Du allein, mein Sohn, ſollſt die Reiſe nach Ungarn antreten, Eugenie iſt Witwe, ihr Gemahl iſt todt, Du ſollſt ihr meine Briefe bringen, Du ſollſt unerkannt unter einem frem⸗ den Namen ihre Geſinnungen gegen mich er⸗ forſchen und wenn ſie zögert, mir zu verzeihen, Dich als meinen Sohn nennen, ſie verſöhnen, ſie hierher auf einige Zeit in meine Arme fuͤh⸗ ren, vielleicht iſt es moglich, daß Du bis zu Mapxime's Zuruͤckkunft mit Deiner Tante hier eintriſſſt, welche liberraſchung wuͤrde das fir uns Alle ſeyn, welche gluͤckliche Stunden wuͤr⸗ den uns die Tage bringen!“
Gern gehorchte Leontin dem citeilichen Befehle, von hoͤchſtem Intereſſe war ihm die


