Teil eines Werkes 
1. Band (1826)
Entstehung
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Dieſer ſtand ihr ehrfurchtsvoll gegenuͤber, die reizende Monarchinn, welche in dieſem Augenblik⸗ ke, im geſchmackvollen Morgenanzuge, nur eine ſchone intereſſante Frau erſchien, mit glaͤnzen⸗ den Augen betrachtend. Noch immer unbeach⸗ tet von der Koͤniginn, deren Zuͤge wahrſcheinlich durch den Inhalt des Briefes einen Ausdruck von Schwermuth bekamen, wurde dem Magna⸗ ten ſeine Lage auf die Laͤnge pein lich, und er wagte die forſchenden Augen weiter umher zu ſenden, indem ſeine Neugier durch ein leiſes Fluͤ⸗ ſtern in ſeiner Nähe rege gemacht wurde.

Marie Antoinette, ſich gern und leicht äber die ſteife Etikette des Hofes von Verſailles wegſetzend, hatte den Magnaten in ihrem Bou⸗ doir empfangen; Alles athmete darin die ausge⸗ ſuchteſte Pracht, die uͤppigſte Bequemlichkeit.

Doch uͤberraſcht blieb ſein Blick auf einer Fenſtervertiefung gefeſſelt, in welcher, von pur⸗ purſeidenen Vorhängen halb verſteckt, auf einem niederen Taburet, das reizendſte, weibliche We⸗ ſen halb vorgebeugt, ruhte; vor ihr kniete auf dem bunten Teppich ein lieblicher Knabe; der

Liebesgott ſelbſt, ſchien der juͤngſten Grazie zu

huldigen, indem er ſich mit ſchelmiſcher Luſt dem freundlichen Spiele der Huldinn hingab, welche mit unnachahmlichem Reize die langen glaͤnzen⸗

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