Teil eines Werkes 
3. Band, Roderich Random : Roman : 3. Band (1840) The adventures of Roderick Random
Entstehung
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ſolcher Ungereimtheiten, denen nur Jugend und Schönheit zur Entſchuldigung dienen können.

So ſehr meine Enttäuſchung mich trübſelig ſtimmte, ſo war ich doch vermöge meines Temperaments nicht im Stande, eine Perſon, die mich liebte, zu beleidigen. Ich ſuchte deßhalb, für den Augenblick gute Miene zum böſen Spiele zu machen, entſchloſ⸗ ſen, Alles abzubrechen, ſobald ich mich von ihrer Geſellſchaft los⸗ gemacht hätte. In dieſer Abſicht ſagte ich ihr einige Artigkeiten, und drückte mein beſonderes Verlangen aus, den Namen und Stand der Dame, die mir ſo viele Ehre angethan hätte, zu er⸗ fahren. Sie ſagte mir hierauf, ihr Name ſey Withers; ſie lebe im Hauſe des Sir John Sparkle als Gouvernante ſeiner einzigen Tochter, eine Stellung, worin ſie ſich bereits ein hinreichendes Auskommen für ihr ganzes Leben erſpart habe. Sie ſey ſo glück⸗ lich geweſen, mich in der Kirche zu ſehen, wo mein Ausſehen und Benehmen einen ſolchen Eindruck auf ihr Herz gemacht, daß ſie nicht ruhig geweſen ſey, bis ſie über meinen Charakter Erkundi⸗ gungen eingezogen. Dieſen habe ſie der Schilderung nach nun in jedem Betracht ihrer Liebe ſo werth gefunden, daß ſie der Heftig⸗ keit ihrer Neigung nachgegeben, und es unternommen hätte, ihre Leidenſchaft für mich vielleicht mit zu wenig Rückſicht auf den, ihrem Geſchlechte gebotenen, Anſtand mir zu erklären; doch gebe ſie ſich der Hoffnung hin, ich werde einen Fehltritt verzeihen, woran ich gewiſſermaßen ſelbſt Schuld ſey, und ihre Zudringlichkeit auf Rechnung der unwiderſtehlichen Eingebungen ihrer Liebe ſchreiben. Kein ausgemergelter Wüſtling ſchluckte jemals eine Arznei mit größerem Widerwillen hinunter, als ich denſelben bei der Noth⸗ wendigkeit empfand, auf dieſes Compliment eine paſſende Antwort zu geben, da ich ſtatt des Juwels nur das abgenutzte Käſichen dazu in meinem Beſitze ſahe. Doch begannen meine Hoffnungen wieder etwas aufzuleben, wenn ich bedachte, daß ich durch Beibe⸗ haltung des Scheines einer Liebesintrigue mit der Duenna mög⸗ licherweiſe zu dem, ihrer Bewachung anvertrauten, Kleinod Zutritt