188 nem Innern vorging. Allein die Aufmerkſamkeit dieſes Indivi⸗ duums wurde durch die Betrachtung ſeiner eigenen Wichtigkeit ſo ſehr in Anſpruch genommen, daß ſie ihm nicht geſtattete, von dem Betragen ſeines Nebenmenſchen ſich anregen zu laſſen, wofern nicht deſſen Benehmen ſo auffallend war, daß es ihm nothwendig in die Augen fallen mußte.
Als ich mich von ihm, deſſen Unterhaltung anfing, mich anzu⸗ widern, losgemacht hatte, wanderte ich nach Hauſe, und theilte Strap das Ergebniß meiner Nachforſchungen mit. Dieſe ehrliche Seele gerieth faſt außer ſich vor Entzücken, und weinte ſogar vor Freude, ob aber um ſeinet⸗ oder meinetwillen, laß ich unentſchieden.
Am folgenden Tage wurde mir ein dritter Liebesbrief über⸗ bracht, der, außer vielen zärtlichen Ausdrücken, auch einige, tiefen Eindruck machende, Zweifel wegen der Kunſtgriffe des männlichen Geſchlechts, der Unbeſtändigkeit, welche der Jugend eigenthümlich ſey, und der Eiferſucht, die oft im Gefolge der reinſten und auf⸗ richtigſten Reigung ſichtbar werde, enthielt, nebſt der Bitte, ſie zu entſchuldigen, wenn ſie mich noch etwas länger auf die Probe ſtelle, ehe ſie eine, jeden Rückweg abſchneidende, Erklärung von ſich gebe. Dieſe, von feinem Gefühle zeugenden, Zweifel goſſen Oel auf meine Flammen, und ſteigerten meine Hoffnungen bis zur peinlichſten Ungeduld; ich verdoppelte meine Klagen über ihre Gleichgültigkeit, und bat ſie ſo dringend und feurig um eine Zu⸗ fammenkunft, daß ſie einwilligte, nach Verfluß einiger Tage in dem Hauſe jener Putzhändlerin, welche alle meine Briefe beſorgt hatte, mit mir zuſammen zu treffen. Inzwiſchen ſchweifte mein Hochmuth über alle Vernunft und Beſchreibung hinaus. Ich ver⸗ wiſchte jede Erinnerung an die liebliche Narciſſa aus meinem Ge⸗ vächtniſſe, und meine Gedanken beſchäftigten ſich nur mit Ent⸗ würfen, wie ich über die Bosheit und Verachtung der Welt trium⸗ phiren könne.
Endlich ſchlug die ſehnlichſt erwartete Stunde. Ich flog an die Stelle des Rendezvous, und wurde in ein Gemach geführt, wo


