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Dieſe offene Rede heilte nicht nur meinen Verdacht gegen die Miß, ſondern verſtärkte noch den in Anſehung des Capitäns, von deſſen Schuld ich mir noch fernere Beweiſe verſchaffen wollte, ehe ich Rache an ihm nähme. Ich dankte ihr höflich für ihr gütiges Anerbieten, hinzufügend, ich ſehe mich nicht bewogen, davon Ge⸗ brauch zu machen, da ich entſchloſſen ſey, nichts Voreiliges zu un⸗ ternehmen; denn obwohl ich wiſſe, daß mein Angreifer ein Soldat ſey, deſſen Geſicht ich zu kennen vermuthe, ſo ſey ich doch unver⸗ mögend, mit gutem Gewiſſen auf ein beſtimmtes Individuum zu ſchwören; und geſetzt auch, ich könnte dieß, ſo würde mir doch meine Verfolgung nicht viel helfen. Dieß gab ich nur vor, damit nicht der Capitän, wenn er von ihr yöre, ich kenne die Perſon, welche mich verwundet habe, es für zweckmäßig erachten möchte, die Flucht zu ergreifen, ehe ich das Wiedervergeltungsrecht aus⸗ geübt habe. Nach zwei Tagen ſtand ich wieder auf, und verrich⸗ tete unbedeutendere Geſchäfte, ſo daß Herr Lavemant keinen zwei⸗ ten Gehülfen an meiner Statt anzunehmen für gut fand.
Das Erſte, was ich that, um auf eine ſichere Spur des MWörders zu kommen, beſtand darin, daß ich mich in O'Donnell's Zimmer ſchlich, als er im Schlafrocke ſich entfernt hatte, und ſei⸗ nen Degen unterſuchte, deſſen Spitze abgebrochen war, worauf ich das Bruchſtück, welches in meinem Körper ſteckend gefunden wurde, daran fügte, und es vollkommen paſſend fand. Nun war jeder Zweifel für mich verſchwunden, und es blieb mir nun nichts mehr übrig, als einen Racheplan zu entwerfen, der eine ganze Woche lang mein ganzes Nachdenken ausſüllte. Manchmal kam es mir zu Sinnen, ich ſolle ihn auf dieſelbe Weiſe, wie er es mit mir gemacht habe, anfallen und geradezu tödten. Doch mein Ehrgefühl ſträubte ſich gegen einen ſolchen Vorſchlag, als ein Stück barbariſcher Grauſamkeit, worin ich ihm nicht nachahmen dürfe. Ein anders Mal dachte ich daran, auf ehrenhafte Weiſe Genugthuung von ihm zu verlangen; doch brachte mich davon der


