Herren, ſeht doch! ein vollkommener Künßlet! Wundarzneikunſt ſtu⸗ dirt! wie2 in Büchern, vermuthlich. Ich werde dieſer Tage über Gegenſtände meines Berufs mit Euch disputiren. Da wette ich, könnt Ihr ſchon Rechenſchaft geben von der Muskelbewegung, und das Geheimniß des Hirns und der Nerven erklären— ha! Ihr ſeid zu gelehrt für mich, ſoll mich der Teufel holen 1 Doch nichts mehr hiervon! Könnt ihr zur Ader laſſen und ein Clyſtier geben, Pfla⸗ ſter ſtreichen und einen Trank bereiten?“ Als ich ſeine Frage be⸗ jaht hatte, ſchüttelte er ſein Haupt, indem er mir ſagte, er meine, allen meinen Verſprechungen nach, etwas Gutes an mir zu be⸗ kommen; doch wolle er mich indeſſen aus Barmherzigkeit aufneh⸗ men. Demgemäß erhielt ich noch in dieſer Nacht Einlaß in ſein Haus und ein Dachſtübchen angewieſen, mit welchem ich mich be⸗ gnügen mußte, ungeachtet des Aergers, welchen mein Stolz bei digſem Wechſel der Umſtände empfand.
Bald erhielt ich die Ueberzeugung von den wahren Motiven, welche Crab bewogen, mich unter ſolchen Verhältniſſen aufzuneh⸗ men; denn außer der Befriedigung ſeiner Rache, indem er ſeines Gegners Selbſtſucht an den Pranger ſtellte, gegenüber von ſeiner eigenen Großmuth, die nur erheuchelt war, bedurfte er eines jungen Mannes, der etwas von dem Fache verſtand, um die Stelle ſeines älteſten Lehrlings auszufüllen, der vor Kurzem, nicht ohne ſtarken Verdacht in Folge barbariſchet Mißhandlungen von Seiten ſeines Lehrherrn) geſtorben war. Die Kenntniß dieſes Umſtands, verbunden mit ſeinem täglichen Benehmen gegen ſein Weib und
den jungen Lehrling trug nicht dazu bei, meine neue Lage mir zu
verſüßen; doch da ich nicht Mittel und Wege ſah, mir eine gün⸗ ſtigere Lage zu verſchaffen, ſo faßte ich den Entſchluß, Crab's Temperament mit allem Fleiße zu ſtudiren, und mit möglichſter Gewandtheit es nach meinem Sinne zu lenken. Und wirklich fand ich bald heraus, daß eine ſonderbare Eigenthümlichkeit von Laune ſein Benehmen gegen ſeine ganze Umgebung lenke. Ich machte


