Vom Grafen Sollogub. 27
werden, daß ſie zur Erziehung ihres Sohnes ſogar einen Hauslehrer anſchafften. Derſelbe war ein Klein⸗ ruſſe, verabſchiedeter Unteroffizier und hieß Wuchtitſch; er erhielt 60 Banktubel jährlichen Gehalt, zwei Pud gebeuteltes Mehl monatlich, ſowie die abgetragenen Kleider und Schuhe von ſeines Brotherrn eignem Leibe. Da aber die letztere Revenue außerordentlich ſpärlich ausfiel, weil Jwan Fedotowitſch ſtets im Schlafrock und Pantoffeln einherging, ſo ward dem Mentor als Erſatz die Erlaubniß gewährt, ſich eine Kuh auf Unkoſten der Herrſchaft zu halten. Der Zögling bewies ſeinem Leh⸗ rer wenig Ehrerbietung, er ritt auf deſſen Rücken, wies ihm zuweilen die Zunge und warf ihm häufig ein Buch an den Kopf. Wenn aber dem langmüthi⸗ gen Wuchtitſch zuletzt doch die Geduld riß und er nach einem Lineal griff, ſo ſchlug der Zögling ein Rad und lief ſpornſtreichs zum Väterchen, über den Lehrer Klage zu führen, der ihn mit dem Stock ſchlage und ihn mit groben Schimpfwörtern ſchelte. Dann aber hunzte Väterchen in ſeiner Trunkenheit den erſchrockenen Wuch⸗ titſch derb aus:—„Ach Du verdammter grauköpfiger Hund, ich ernähre und kleide Dich, und Dir fällt's ein, in meinem Hauſe Lärm zu machen. Wart' nur,
zum Hauſe laſſ ich Dich hinauswerfen... Daß man


