Vom Grafen Sollogub. 139
längſt mit Gras bewachſen. Aus dem dichten Gebüſch blitzen weiße Denkmäler hervor und traurig neigen die hölzernen Grabkreuze ihre Spitzen dem Boden zu. Hier iſt Alles wild und unheimlich,— hier die Gra⸗ besſchwelle menſchlicher Eitelkeit. Rings tiefe Stille, Alles ſchweigt, überall das Bild des Todes, ſelten nur ſchleicht ein Mönch im ſchwarzen Gewande einem Schat⸗ ten gleich über die Gräber.
Das beſcheidene Häuschen des Archimandriten ſchließt ſich der Wohnung der Kloſterbrüder an; ſo ſchlicht es auch iſt, doch eröffnet ſich aus ſeinen Fenſtern von dem verfallenen Balkon dem Blick das prachtvollſte Gemälde, und in der Ferne ſchimmert der ganze Reichthum des Ruſſenlandes.
Von der einen Seite, über dem ſteilen Ufer, ragt der alte Kreml hervor, und die ſchuppigen Glockenthürme marken ſich am blauen Himmel ab. Zu ſeinen Füßen zieht ſich die Stadt nach dem Wolgaufer hin. Von der andern, der Feldſeite, überſchaut der Blick eine un⸗ ermeßliche Fläche, mit Dörfern überſäet und beſpült von den mächtigen Strömen der Oka und Wolga, welche ihre verſchiedenfarbigen Gewäſſer am Fuße der Stadt ſelbſt miſchen und nach ihrer Vereinigung eine Art Vor⸗ gebirg bilden, auf dem ſich das Getümmel der weltbe⸗


