10 mir mit dieſen großartigen Gebäuden ein wenig prunken zu wollen. Wenn es mir erlaubt iſt, einigen Tadel in meine Bemerkungen über ein Volk zu miſchen, das ich verehre, ſo kann ich nicht um⸗ hin, Eitelkeit für ſeine ſchwache Seite zu erklären. Ich fürchte ſogar, daß ihre Gaſtfreundſchaft nicht ſo ganz frei von Oſtentation iſt. Ja, ich glaube bemerkt zu haben, daß ſie ſich ſehr viele Mühe geben, ihr feines Tiſchzeug, womit ſie wirklich reichlich verſehen ſind, ihre Möbel, ihre Geſchirre und namentlich auch ihre man⸗ cherlei Weine gehörig auszukramen. Was den letztern Artikel be⸗ trifft, ſo muß ich geſtehen, daß ſie damit ſehr freigebig, wo nicht gar verſchwenderiſch umgehen. Ein Evinburgher wird ſich nicht begnügen, es einem zehnmal reichern Londoner blos gleichzuthun; nein, er meint, er müſſe ihn weit koſtbarer und prachtvoller bewirthen.
Obgleich die Landhäuſer des ſchottiſchen hohen und niedern Adels im Allgemeinen groß und prächtig ſind, ſo glaube ich doch, daß ihre Luſt- und Thiergärten mit denen in England keine Ver⸗ gleichung aushalten, was mir um ſo auffallender iſt, weil mir Herr Philipp Millar von Chelſea geſagt hat, daß faſt alle Kunſt⸗ gärtner in Südbritannien geborne Schottländer ſeyen. Das Laub und Gras iſt hier nicht ſo ſchön grün als in England. Die Luſt⸗ gärten ſind meines Dafürhaltens nicht ganz dem Genius loci ge⸗ mäß angelegt, auch werden die Beete, die Wege und die Hecken nicht in ſo zierlicher Ordnung unterhalten. Die Bäume ſind in ſteifen Linien gepflanzt, was lange nicht den angenehmen länd⸗ lichen Eindruck hervorbringt, als wenn ſie in unordentlichen Grup⸗ pen hingeworfen wären und freie Felder dazwiſchen lägen; die Tannenbäume, die ſie gewöhnlich um ihre Häuſer herumgepflanzt haben, ſehen im Sommer trübſelig und düſter aus. Ich muß in⸗ deß geſtehen, ſie geben brauchbares Bauholz, ſchützen vor den kalten Nordwinden, wachſen und gedeihen im trockenſten Boden, und verbreiten beſtändig einen harzigen Balſam in der Luft, wo⸗ durch dieſe für zarte Lungen ſehr zuträglich und geſund wird.


