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richtung ihrer Geſchwornengerichte, vermöge deren ſie dem Uebel, das ich in meinem letzten Schreiben aus Lismahago's Munde an⸗ führte, mit Gewißheit vorbeugen.
Die Univerſität zu Edinburgh hat vortreffliche Profeſſoren in allen Fakultäten, beſonders die medieiniſche iſt in ganz Europa berühmt. Den Studenten dieſer Fakultät iſt die beſte Gelegen⸗ heit gegeben, ſich ihre Wiſſenſchaft vollkommen und nach allen ihren verſchiedenen Theilen zu eigen zu machen; man liest hier theoretiſche und praktiſche Kollegia, Anatomie, Chemie, Bota⸗ nik, Materia medica, Naturgeſchichte und Experimental Philv⸗ ſophie, und zwar ſind es lauter Männer von ausgezeichneten LTalenten, welche den Katheder inne haben. Was dieſem Studium hauptſächlich zu Statten kommt, iſt die praktiſche Erfahrung, die man ſich im Krankenhauſe erwerben kann, der beſten milden Stiftung, die ich jemals geſehen habe. Da ich indeß auf milde Stiftungen zu ſprechen gekommen bin, ſo gibt es hier verſchiedene Spitäler, die ſehr reiche Fonds beſitzen und nach vortrefflichen An⸗ ordnungen verwaltet werden; ſie ſind nicht nur von großem Nutzen für die Stadt, ſondern auch eine Zierde derſelben. Ich will hier nur des großen Arbeitshauſes gedenken, wo alle Arme, für die nicht anderweitig geſorgt iſt, je nach ihren Kräften und Fähigkei⸗ ten Arbeit bekommen, die ſo zweckmäßig ausgetheilt iſt, daß ſie ſich beinahe ihren ganzen Unterhalt davon erwerben können; die glückliche Folge davon iſt, daß man im ganzen Weichbild der Hauptſtadt keinen Bettler erblickt. Vor etwa dreißig Jahren hat
Glasgow das Muſter zu dieſer Anſtalt gegeben. Selbſt die ſchot⸗
tiſche Geiſtlichteit, der man ſo lange Zeit Fanatismus und Phi⸗ liſterei vorgeworfen hat, vermag jetzt eine Menge Mitglieder auf⸗ zuweiſen, die durch ihre Gelehrſamkeit berühmt ſind, und durch ihre Toleranz ſich allgemeine Achtung erworben haben. Ich habe ihre Predigten mit eben ſo viel Erſtaunen als Vergnügen angehört. Das gute Völkchen von Edinburgh lebt nicht mehr in dem Wahne,


