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haben mich nicht ſo weit überführt, daß ich nicht noch immer der
Meinung ſeyn ſollte, die Schotten würden ſehr wohl daran thun, wenn ſie ſich an die Ausdrücke und an die Ausſprache der Englän⸗ der gewöhnen wollten, zumal diejenigen Landeskinder, die in Süd⸗ britannien ihr Glück zu machen gedenken. Ich weiß aus Erfah⸗ rung, wie nahe das Ohr eines Engländers an ſeinem Herzen liegt, und wie er ſo gern lacht, wenn er ſeine Sprache mit einem fremden oder mit einem Provinzialaccent ausſprechen hört. So habe ich ein Unterhausmitglied gekannt, das mit großer Energie und anerkennungswerther Beſtimmtheit ſprach, aber ſchlechterdings ſich kein Gehör verſchaffen konnte, weil es im ſchottiſchen Dialekt ſprach, der(unſer Herr Lieutenant Lismahago möge es mir nicht übel nehmen) auch den erhabenſten Geſinnungen einen bäuriſchen Anſtrich gab. Ich habe mich hierüber gegen die verſtändigſten Män⸗ ner dieſes Landes ausgeſprochen, und ihnen meine Anſicht nicht verhehlt, daß ſie einige geborne Engländer anſtellen ſollten, um ihre Jugend unſere Mutterſprache zu lehren; auf dieſe Art wäre in zwanzig Jahren zwiſchen dem Dialekt der Edinburgher und der Londoner Jugend kein Unterſchied mehr wahrzunehmen.
Die bürgerlichen Einrichtungen in dieſem Königreich und ſei⸗ ner Hauptſtadt ſind bis auf einige wenige nothwendige Konſe⸗ quenzen der Union nach ganz andern Muſtern gebildet als die in England. Ihr Juſtizcollegium iſt ein ſehr ehrwürdiges Gericht, beſetzt mit Männern von Charakter, von Einſicht und Kenntniſſen. Ich habe vor dieſem würdigen Tribunale mehrere Sachen verhan⸗ deln gehört, und die Vertheidigungsreden der Advokaten haben mir ſehr wohl gefallen, es fehlt ihnen weder an Schärfe des Be⸗ weiſes, noch an Kraft des Ausdrucks. Der Rechtsgang in Schott⸗ land iſt größtentheils auf das römiſche Recht gebaut, und weicht daher von dem Verfahren der engliſchen Tribunale ab; meiner Anſicht nach aber haben ſie vor uns einen Vortheil durch ihre Me⸗ thode, die Zeugen beſonders zu verhören, ſo wie durch die Ein⸗


