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machte ihn ſo wenig betrunken, als wenn es wirklich Seewaſſer geweſen wäre. Ich für meinen Theil hatte ſolche Magenübelkeiten,
daß ich ſonſt an nichts denken konnte. Inzwiſchen ſchlugen die
Wellen berghoch, das Boot krachte ſo gewaltig, als wollte es in Stücke brechen, das Tauwerk raſſelte, der Wind heulte, der Blitz knitterte, der Donner rollte und der Regen ſtürzte wie ein Wolkenbruch herab; ſo oft ſich das Boot drehte, ſchlug ſo viel Waſſer herein, daß wir bis auf die Haut naß wurden. Als wir nach langem Laviren dachten, wir müſſen endlich nahe am Ufer ſeyn, waren wir ſo weit ſeewärts getrieben, daß die Bootsleute ſelbſt zu fürchten anfingen, es möchte zu tief ebben, ehe wir in Sicherheit wären. Doch brachte uns der nächſte Gang, den wir lavirten, in glattes Waſſer, und um ein Uhr Nachmittags ſtiegen wir glücklich an's Land.„Ganz gewiß,“ rief Tabby, ſobald ſie feſten Boden unter ihren Füßen ſpürte,„gewiß wären wir alle zuſammen umgekommen, wenn der Himmel nicht ganz beſonders über uns gewacht hätte.“—„Ja wohl,“ verſetzte mein Oheim, „aber es geht mir hier ganz wie dem ehrlichen Hochländer, dem man nach einer ähnlichen Fahrt ſagte, er ſey dem Himmel Dank für ſeine Rettung ſchuldig.— Sehr wahr, erwiederte Donald, aber ich will ein Schurke ſeyn, wenn ich dem Himmel wieder dieſe Mühe mache, ſo lange noch die Brücke zu Stirling ſteht.“ Sie miſſen nämlich wiſſen, daß dieſe Brücke mehr als zwanzig engliſche Meilen oberhalb des Fluſſes Frith liegt, der hier ſeine Mündung hat. Ich finde nicht, daß meines Oheims Geſundheit
durch den Sturm gelitten hätte, aber die arme Liddy fängt an zu
kränkeln. Ich fürchte, das gute Kind hat irgend einen Stein auf dem Herzen, und dieſe Beſorgniß könnte mich wahnſinnig machen, denn ſie iſt wirklich ein liebenswürdiges Geſchöpf.
Morgen oder übermorgen gehen wir nach Stirling und Glasgow, und gedenken uns in den Hochlanden ein wenig um⸗


