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Lande vorziehen können? Ich weiß, die meiſten Menſchen laſſen ſich durch Eitelkeit, Ehrgeiz und kindiſche Neugierde verführen, die nur unter rührigem Gewimmel befriedigt werden können; allein indeß ſie dieſe kleinlichen Bedürfniſſe befriedigen, ſtumpfen ſich ihre Sinnenorgane ab, ſo daß ſie in der Regel an nichts mehr Ge⸗ ſchmack finden, was ächt und in ſeiner wahren Natur vortreff⸗ lich iſt.
Soll ich Ihnen einmal meine Leiden in der Stadt und meine Freuden auf dem Lande vorrechnen? In Brambletonhall habe ich vor Allem die Ellenbogen frei in meinem Hauſe und athme eine eigene, elaſtiſche, geſunde Luft. Ich genieße einen leichten, er⸗ friſchenden Schlaf, der durch kein ſcheußliches Gelärme geſtört und durch Nichts unterbrochen wird, als durch das liebliche Morgen⸗ gezwitſcher der Schwalben vor meinem Fenſter. Ich trinke von der jungfräulichen Quelle, die ſo rein und kriſtallhell iſt, wie ſie aus dem Felſen hervorſtürzt, oder laſſe ich mir das goldfarbene Getränke munden, das von meinem eigenen Malze in mei⸗ nem eigenen Hauſe gebraut iſt; dann und wann koſte ich auch ein Glas Apfelmoſt, den mir mein eigener Obſtgarten liefert, oder ein Glas Claret von der beſten Sorte, den ich zu meinem eigenen Gebrauche von einem Correſpondenten ver⸗ ſchreibe, auf deſſen Ehrlichkeit ich mich verlaſſen kann. Mein Brod iſt ſchmackhaft und kräftig, von meinem eigenen Weizen, der in meiner eigenen Mühle gemahlen wird, in meinem eigenen Ofen gebacken. Mein Tiſch wird größtentheils mit Speiſen beſetzt, die mir in die Hand wachſen. Meine fünfjährigen Hämmel, die ſich von den duftigen Kräutern der Berge nähren, ſind ſo ſaftig und kräftig, wie das beſte Wildpret. Mein delikates Kalbfleiſch⸗ das nach nichts als der Muttermilch ſchmecken kann, füllt die Schüſſel mit Saſt, wenn es angeſchnitten wird. Mein Geflügel wird unmittelbar von der Scheune weggefangen, und niemals eingeſperrt, als wenn es Abends aufgeſeſſen iſt. Meine Kaninchen


