Teil eines Werkes 
13. Band, Humphry Klinkers Fahrten : Roman : 1. Band (1841) The expedition of Humphry Clinker
Entstehung
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nicht, daß durch Erhaltung dieſes elenden Vortheils die Sitten, die Geſundheit und der Fleiß der Nation untergraben werden. So herzlich ich auch diejenigen verachte, die einem Miniſter ſchmeicheln, ſo halte ich es doch für weit verächtlicher, dem Pöbel gute Worte zu geben. Wenn ich einen Mann von Geburt, Erzie⸗ hung und Vermögen ſehe, wie er ſich mit der Hefe des Volks auf eine und dieſelbe Stufe ſtellt, wie er ſich mit den geringſten Handwerkern einläßt, mit ihnen in dieſelbe Schüſſel taucht und aus demſelben Becher trinkt, wie er ihren Vorurtheilen ſchmeichelt, Lobreden auf ihre Tugenden hält und ſich ihrem Gerülpſe vom Biertrinken, dem qualmenden Dampfe ihres Tabaks, ihrer plum⸗ pen Vertraulichkeit und dem Unſinn ihres Geſchwätzes bloßſtellt, ſo kann ich nicht umhin, ihn als einen Mann zu verachten, der ſich, um einen eben ſo eigennützigen als unrühmlichen Zweck zu erreichen, der niedrigſten Selbſtentehrung ſchuldig macht.

Ich würde meine politiſche Abhandlung mit der größten Be⸗ reitwilligkeit abbrechen, könnte ich nur andere Gegenſtände des Geſprächs finden, bei deren Erörterung man mit mehr Beſcheiden⸗ heit und Aufrichtigkeit zu Werke ginge; allein es ſcheint, der Parteiteufel habe ſich die Herrſchaft über alle Fächer des Lebens angemaßt. Selbſt die Republik der Gelehrten und Schöngeiſter ſt in die erbittertſten Faktionen geſpalten, die einander ihre Werke gegenſeitig herabſetzen, verſchreien und verketzern. Geſtern machte ich einem Bekannten den Gegenbeſuch und traf bei ihm einen Schriftſteller aus der gegenwärtigen Zeit, der ſich bereits einigen Beifall erworben hat. Da ich ein paar Sachen von ihm mit Ver⸗ gnügen geleſen hatte, ſo war mir die Gelegenheit erwünſcht, ihn von Perſon kennen zu lernen, allein ſein ganzes Geſpräch und Benehmen zerſtörte die vortheilhaften Eindrücke, die ſeine Schriften auf mich gemacht hatten. Er nahm es ſich heraus, in profeſſori⸗ ſchem Tone über Alles zu entſcheiden, ohne den mindeſten Grund für ſein Abweichen von der gewöhnlichen Meinung der Leute an⸗