Teil eines Werkes 
13. Band, Humphry Klinkers Fahrten : Roman : 1. Band (1841) The expedition of Humphry Clinker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

138

Gunſt zu ſtehen, daß ſie mir zuweilen mit eigenen Händen den Kopfputz in Ordnung bringt, auch hat ſie mich auf's Freundlichſte eingeladen, den ganzen Winter bei ihr zu bleiben. Dieß hat jedoch mein Oheim unbarmherzig abgelehnt, und überhaupt ſcheint er mir(ich weiß nicht warum) ein Vorurtheil gegen die gute Dame zu haben; denn ſo oft meine Tante etwas zu ihrem Lobe vorbringt, ſchneidet er ſchiefe Geſichter, ſpricht aber kein Wort dabei. Dieſe Grimaſſen können indeß wohl auch von ſeinen Gicht⸗ und Podagraſchmerzett herkommen, womit er jämmerlich geplagt iſt. Gegen mich iſt er im Uebrigen beſtändig freundlich und frei⸗ gebig, ſogar mehr als ich wünſche. Seitdem wir hier ſind, hat er mir ein neues Kleid und Spitzen geſchenkt, die ſo hoch kommen, daß ich's gar nicht ſagen mag, und Hieronimus hat mir auf ſei nen Wunſch meiner Mutter diamantene Ohrringe zugeſtellt, die nun in der Arbeit ſind und neu gefaßt werden; es iſt alſo nicht ſeine Schuld, wenn ich nicht unter den Sternen, wenigſtens der vierten oder fünften Größe, glänze. Ich wünſche nur, daß mir unter all den Luſtbarkeiten und Zerſtreuungen mein ſchwacher Kopf nicht ſchwindlicht werde, wiewohl ich bis jetzt betheuern kann, daß ich alle dieſe lärmenden Vergnügungen gerne mit der ländlichen Einſamkeit und dem ſeligen Umgang mit denen, die ich liebe, ver⸗ tauſchen möchte. Und unter dieſen wird meine theuerſte Willis immer den erſten Platz beſitzen im Herzen Ihrer bis in den Tod getreuen Lydia Melford.

London, den 31. Mai.

An Sir Watkin Philipps im Jeſuitenkollegium zu Orford. Mein theuerſter Philipps!

Ich ſende Ihnen dieſen Brief unter Einſchluß unſeres alten Freundes Barton, der ſich ſo ſehr verändert hat, als es einem