119
Gnaden, in vierundzwanzig Stunden keinen Biſſen Brod über den Mund gebracht.“ Tante Tabitha wandte ſich von ihm ab und ſagte, ſie habe ihrer Lebtage keinen ſolchen Lumpenhund geſehen, er ſolle ſich wegpacken, denn er würde nur das Zimmer mit Ungeziefer an⸗ füllen. Ihr Bruder warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu, als ſie mit Liddy in ein anderes Zimmer ging, und dann fragte er den Mann, ob er in Marlborough mit Jemand bekannt ſey, worauf dieſer antwortete:„Den Wirth hier im Hauſe habe ich von Kindesbeinen an gekannt.“ Der Wirth wurde ſogleich herbei beſchieden, ausgefragt und ſagte, der junge Burſche heiße Humphry Klinker. Er ſey ein Liebeskind, im Waiſenhauſe erzogen und dann zu einem Grobſchmied auf dem Lande in die Lehre gegeben worden, der aber geſtorben ſey, ehe der Burſche ausgelernt habe; hierauf habe er eine Zeit lang ſeinem Stallknecht die Arbeit verrichten helfen und zuweilen Extrapoſten geführt, bis er das kalte Fieber bekommen habe, und dadurch untüchtig ge⸗ worden ſey, ſein Brod zu verdienen. Er habe zuletzt alle ſeine Habſeligkeiten verkaufen und verſetzen müſſen, nur um zu leben und ſich kuriren zu laſſen, und dadurch ſey er ſo elend und zer⸗ lumpt geworden, daß er ihm und ſeinem Stalle Schande gemacht und er ihn habe fortſchicken müſſen; im Uebrigen habe er niemals in ſeinem Leben etwas Schlimmes von ihm gehört.„Alſo,“ ſagte mein Oheim,„weil der Burſche krank und von aller Welt verlaſſen wurde, ſo haben Sie ihn weggejagt, damit er auf der Straße ſter⸗ ben ſolle.“—„Ei,“ ſagte der Wirth,»ich bezahle wöchentlich mein Armengeld und habe kein Recht, faule Müßiggänger zu er⸗ nähren, ſie mögen nun krank oder geſund ſeyn, und überdieß würde ein Knecht in einem ſo lumpigten Aufzuge mein Haus in ſchlechten Ruf verſetzt haben.“ „Du ſiehſt, Neffe, ſagte mein Oheim, indem er ſich zu mir wandte,„unſer Wirth iſt ein Muſter von chriſtlicher Barmherzigkeit.


