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wir uns des Schiffs bemeiſterten, die Offiziere plünderten, und es zwiſchen Felſen an der Küſte von Portugal ſtranden ließen. Von da eilte ich nach Liſſabon, in der Abſicht, mit einem Schiffe, das nach England wollte, dahin abzuſegeln. Denn meine Sache daſelbſt, hoffte ich, ſollte vergeſſen ſeyn.
„Doch bevor ich dieß bewerkſtelligen konnte, führte mich ein böſer Genius in eine Geſellſchaft, wo ich mich berauſchte, und ſodann Grundſätze über Religionsmaterien auf die Bahn brachte, an denen einige von den Anweſenden ein Aergerniß nahmen, und wodurch ſie ſehr zum Zorn gereizt wurden. Am folgenden Morgen wurde ich von den Beamten der Inquiſition aus dem Bette geholt und in eine Zelle des Gefängniſſes gebracht, das dieſem Richterſtuhl zugehört.
„Bei meinem erſten Verhör war meine Erbitterung ſtark genug, mich während der Tortur zu unterſtützen. Ich erduldete ſie ganz unverzagt. Aber meine Entſchloſſenheit ſank, und mein Eifer kühlte ſich ſogleich ab, als ich von einem Mitgefangenen, der auf der andern Seite dieſes Verſchlags ſaß, vernahm, daß in Kurzem ein Autodafé ſtattfinden und ich aller Wahrſcheinlichkeit nach zum Feuer verdammt werden würde, wenn ich meinen ketzeriſchen Irrthümern nicht entſagte, und mich nicht einer ſolchen Strafe unterwürfe, als die Kirche mir vorzuſchreiben für gut finden würde.
„Dieſer unglückliche Menſch war überführt worden, daß er heim⸗ lich dem jüdiſchen Glauben gehuldigt hätte. Man ſah ihm manche Jahre dabei durch die Finger, bis er ein Vermögen zuſammengebracht hatte, das hinlänglich war, die Aufmerkſamkeit der Kirche auf ſich zu ziehen. Jetzt ſollte er als ihr Schlachtopfer fallen. Er bereitete ſich demnach zum Holzſtoß; ich aber, den nach der Märtyrerkrone nicht im Geringſten gelüſtete, beſchloß, mich in die Zeit zu ſchicken. Folg⸗ lich widerrief ich, als ich zum zweiten Verhör gebracht wurde, feier⸗ lichſt. Da ich kein anſehnliches Vermögen hatte, das meiner Rettung entgegen geweſen wäre, ſo ward ich wieder in den Schvoß der Kirche aufgenommen, und es wurde mir zur Buße auferlegt, baarfuß in Pilgerkleidern nach Rom zu pilgern.


