Teil eines Werkes 
10. Band, Peregrine Pickle : Roman : 3. Band (1841) Peregrine Pickle and his adventures
Entstehung
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Gerichtsdiener durfte in den Tagen meiner Jugend und Verzweiflung ohne ein Dutzend Helfershelfer es wagen, einen Haftbefehl an mir zu vollziehen. Die Richter zitterten, wenn ich vor ſie gebracht wurde.

Eines Tages wurde ich von einem Kärrner gelähmt, mit dem ich Streit bekam, weil er über mein Lauch an einem St. Davids⸗ tage ſich luſtig gemacht hatte. Durch ähnliche Veranlaſſung wurde mein Hirnſchädel durch das Hackmeſſer eines Metzgers aufgeſpalten. Fünfmal bin ich durch den Leib gerannt worden, und mein linkes Ohrläppchen wurde durch eine Piſtolenkugel weggeriſſen. In einer von dergleichen Schlägereien ließ ich meinen Gegner für todt auf dem Platz liegen, und war klug genug, nach Frankreich zu flüchten.

Wenige Tage nach meiner Ankunft in Paris gerieth ich mit einigen Offizieren in ein Geſpräch über politiſche Gegenſtände. Es erhob ſich ein Streit, ich verlor dabei alle Mäßigung, und ſprach ſo unehrerbietig von dem großen Monarchen, daß ich den folgenden Morgen mittelſt eines lettre de cachet nach der Baſtille geſchleppt wurde. Dort blieb ich einige Monate ohne den mindeſten Verkehr mit vernünftigen Geſchöpfen. Ein Umſtand, der mir gar nicht un⸗ lieb war, weil ich dadurch mehr Zeit gewann, Plane der Rache gegen den Tyrannen zu entwerfen, der mich eingeſperrt, und gegen den elenden Buben, der mein Privatgeſpräch verrathen hatte. Endlich aber ward ich dieſer fruchtloſen Spekulation überdrüſſig und ſah mich genöthigt, meine ernſthaften Gedanken durch den Umgang mit einigen fleißigen Spinnen aufzuheitern, die meinen Kerker mit ihren künſtlichen Arbeiten ausſchmückten.

Ich betrachtete ihr Werk mit ſolcher Aufmerkſamkeit, daß ich ein Adept in dem Geheimniſſe des Webens ward, und mir ſo manche nützliche Bemerkungen und Betrachtungen über dieſe Kunſt ſammelte, daß es einen ganz ſonderbaren Traktat ausmachen wird, den ich der königlichen Soeietät zum Behuf unſerer Wollmanufacturen vermachen will, mehr aus der Abſicht, meinen Namen zu verewigen, als mei⸗

* An einem St. Davidstage. In England pflegt man an dieſem Tage etwas Lauch an dem Hute zu tragen.