18
der immer ganz unfehlbar zu Gunſten des Liebhabers zu wirken pflegt, ſondern auch von der Beſtechbarkeit des Wächters Nutzen zu ziehen, den er auf ſeine Seite zu bringen vermeinte.
Durch dieſe Erwartungen aufgeſchwellt, betrng er ſich gegen den Pater mit außerordentlicher Gefälligkeit. Dirſes leutſelige Weſen und das Vertrauen auf des Saquire's Freigebigkeit nahmen den Alten dermaßen ein, daß er in ſeiner Wachſamkeit ein wenig nachgab, und Peregrine ohne weitere Behelligung in ſeiner Liebesbewerbung fort⸗ fahren ließ. Der Maler unterhielt ſich inzwiſchen mit ſeiner Dul⸗ einea, die bereits Mittel gefunden hatte, eine fürchterliche Verwüſtung in ſeinem Herzen anzurichten, durch Zeichen und öſteres lautes Lachen, welche ungekünſtelte Aeußerungen der Zufriedenheit die Dame ſehr gut verſtand.
Während ſich ihre Freunde ſo angenehm unterhielten, waren auch der Hofmeiſter und der Doktor nicht müßig. Jolter hatte kaum gemerkt, daß der Holländer ein Jude ſey, ſo vertiefte er ſich mit ihm in Forſchungen über das Hebräiſche, in welcher Sprache er gründ⸗ liche Kenntniſſe beſaß. Mittlerweile griff der Doktor den Bettel⸗ mönch wegen der lächerlichen Regeln ſeines Ordens an, und zog über der Pfaffen Trug und Liſt überhaupt los. Nirgends, behauptete er, hätten dieſe ſo viel Oberhand gewonnen, als unter den Dienern der römiſch-katholiſchen Kirche.
So gepaart hatte jede Partie im Wagen ihre eigene angenehme Unterhaltung, ohne daß eine Störung derſelben zu beſorgen geweſen wäre, und alle waren in ihre verſchiedenen Materien ſo vertieft, daß man ſich kaum Zeit ließ, die Verwüſtungen und Ruinen von Menin zu ſehen, als man durch die zerſtörte Grenzfeſtung fuhr. Gegen zwölf Uhr Mittags trafen ſie zu Courtray ein, wo immer die Pferde gewechſelt werden, und wo die Geſellſchaft eine Stunde raſtete. Peregrine führte ſeine Schöne in ein Zimmer, in welches ſich das andere Frauenzimmer auch begab. Unſer Held hingegen überließ ſich, unter dem Vorwande, die Kirchen in Augenſchein zu nehmen,


