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welchen ſie den König unterhalten zu können hoffte. Ueber den Inhalt einiger lachte ſie herzlich, wäh⸗ rend ſie bei andern wieder die Stirne runzelte.
„O, dieſe Welt! Dieſe Welt!“ rief ſie aus. „Ohne das ſchwarze Cabinet hätte ich nie geglaubt, daß ſie ſo ſchlecht wäre!“
Dieß war der Name des Bureau's, in welchem die Abdrücke der Siegel vorgenommen und die Correſpondenzen geöffnet wurden.
„Wie viele Intriguen konnte ich dadurch ver⸗ eiteln!“ ſetzte ſie hinzu.„Wahrhaftig, Monſieur d'Digny, ich und Seine Majeſtät ſind Ihnen un⸗ endlich verbunden.“
Ego et rex mous, dachte der Intendant in Ge⸗.
danken die Worte Wolſey's*) citirend, während er ſich tief verbeugte und die ihm dargereichte, rei⸗ zende kleine Hand mit ſeinen Lippen berührte.
Einer der Herxen vom Hofſtaate der Favoritin trat in das Boudoir mit einem Billet, das er auf einem goldenen Präſentirteller ſeiner Herrin über⸗ reichte, welche dasſelbe zweimal durchlas. Der Inhalt desſelben erzürnte ſie augenſcheinlich, denn ſie ſtampfte ungeduldig mit dem Fuße auf den Boden.
„Sie brauchen nicht zu warten,“ rief die Grä⸗ fin, worauf der hochgeborne Lakai ſich entfernte.
„Herr von Sartines,“ fuhr ſie fort, plötzlich an den Herrn ſich wendend, der noch nicht geſpro⸗ S hatte,„was für ein Amt bekleiden Sie im
önigreich?“
*) Kardinal und erſter Miniſter Heinrich VIII. von Englanb, den er jahrelang vollſtändig beherrſchte. D. V.
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