10 im Begriff ſtehen, gegen einander loszuſchlagen und von denen Jeder dem Andern die Schwäche abzu⸗ lauſchen ſucht, weil er nicht weiß, auf welcher Seite er ihn treffen wird.
Es war alſo, wie geſagt, ein peinliches Still⸗ ſchweigen entſtanden, das Alick Campbell zuerſt unter⸗ brach; obgleich erſt zweiundzwanzig Jahre alt, hatte er doch ſchon, Dank ſeiner Verwandtſchaft mit dem Hauſe Argyle, den Rang eines Majors in der bri⸗ tiſchen Armee und man ſah in ihm einen Mann, der zu einem noch weit höheren Poſten zu gelangen alle Ausſicht hatte, wozu ihm die Gunſt und die Vertraulichkeit, mit der ihn der Herzog von Cumber⸗ land, der„Henker-Herzog,“ wie man dieſen Lieb⸗ lingsſohn Georgs des Zweiten ſpäter genannt hat, auszeichnete.
„Dieß iſt wohl möglich, liebe Tante,“ bemerkte ihr Neffe kalt.
„Was willſt Du damit ſagen, Alick,— kannſt Du Dich nicht ausſprechen? Ich haſſe halbe Worte und Winke.“
„Ich will damit ſagen,“ fuhr Alick mit einem Blick auf Sir Allan fort,„daß Gerüchte von allge⸗ meiner Unzufriedenheit,— geheimen Verſammlungen in den Hochlanden,— von Einübung von Mann⸗ ſchaft in den Waffen im Umlauf ſind.“
„Der Himmel verhüte dieß!“ rief die Gräfin aus, ihr graues Haupt ſchüttelnd.„Der Himmel verhüte dieß! ich habe jetzt nichts mehr zu verlieren; aber ich denke mich in die Lage derer, welche Gat⸗ tinnen und Mütter ſind,— die armen Geſchöpfe!“


