Teil eines Werkes 
5. Band (1860)
Entstehung
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noch an Rang, ſondern nur an ihr Kind, ihren wiedergefundenen Schatz.

Ich habe ihn, ſetzte die faſt erſchöpfte Kranke hinzu,Ihrer und Ihres Gatten Pflege vermacht. Wollen Sie die Pflicht übernehmen?

Milly, welche den Knaben noch immer an ihr Herz gedrückt hatte, ſank wankend zu den Füßen ihres Gemahls nieder. Die Stimme verſagte ihr; ſie vermochte keine Sylbe hervorzubringen, ſondern blieb knieend vor ihm, erwartungsvoll wie eine Bitt⸗ ſtellerin vor einem Hrakel, liegen, deſſen Ausſpruch ihr Schickſal entſcheiden ſollte.§

Lord Dalville ſchien kaum weniger bewegt wie ſeine Gemahlin, als er ſie ſanft in ſeine Arme ſchloß, denn

Nicht einen Augenblick er brach Den ſtummen Blick, der bittend ſprach.

Menſchliche Rückſichten, ſagte er,ſollten, ſo weit es von uns abhängt, nie Veranlaſſung ſein, das Band zu trennen, welches eine Mutter mit ihrem Kinde verbindet. Ich übernehme die Vormundſchaſt, und der Himmel wird mir, wie ich hoffe, Kraſt ver⸗ leihen, als Vater gegen den Knaben zu handeln.

Zum Beweis ſeiner Aufrichtigkeit nahm er den verwunderten Knaben aus der zitternden Hand, die ihn hielt, und küßte ihn ernſt.

Er hielt auf die edelſte Weiſe ſein Wort. Un⸗ mittelbar nach dem Tode ſeiner vermeintlichen Mutter wurde der junge Lord Alton Towers in das Haus ſeines Vormunds gebracht, der, obgleich ſpäter ſeine Ehe durch Söhne geſegnet wurde, nie das Verſprechen