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Voll Aerger und Mißmuth, in ſeinen Erwartun⸗ gen ſich getäuſcht zu ſehen, kündigte der Baron ſeine Abreiſe nach Mailand in fünf Tagen an und behaup⸗ tete, Vollmacht zu haben, die Gräfin und ihre Tochter zwingen zu können, ihn dahin begleiten zu müſſen. Daß dadurch deren höchſter Unwille erregt wurde, bedarf wohl kaum einer Verſicherung.
„Sie ſcheinen damit geradezu eine Verhaftung andeuten zu wollen,“ ſagte der Mann der Kirche, „eine Gewalt, die ich Ihnen beſtreite. Meine Schwe⸗ ſter und Nichte befinden ſich unter meinem Schutz und werden mit mir nach Rom zurückkehren. Wenn, wie ich nicht zweifle, die Beleidigung nur von Ihnen ausgeht, ſo behandle ich dieſelbe einfach als eine Unverſchämtheit und werde mich nicht herbeilaſſen, ſie zu beantworten.“
Bianca, deren Angſt auf's Höchſte ſtieg, als ſie dieſe Worte hörte, ſchlang ihre Arme um den Nacken ihres Beſchützers.
„Eure Eminenz vergißt, daß das Vermögen der Gräfin Belgioſo in der Lombardei ſich befindet,“ bemerkte der Baron mit bedeutungsvollem Lächeln.
„Ihr Vermögen, aber nicht ihre Per⸗ ſon,“ verſetzte der Kardinal kalt.„Der Heiraths⸗ contract meiner Schweſter wurde nicht nur vom Kaiſer, ſondern auch vom Papſte unterzeichnet. Es ſichert ihr dieß für den Fäll, daß ſie Wittwe wird, das Recht, in den Schoos ihrer Familie im Kirchen⸗ ſtaat zurückzukehren.“
„Aber deren Tochter hat hiezu kein Recht,“ rief der Baron in triumphirendem Tone;„dieſe iſt ohne alle Widerrede eine Unterthanin Oeſtreichs.“


