und ſtand jetzt blaß vor Enttäuſchung und Wuth, ſein Opfer nicht gefunden zu haben, vor ihr.
„Wo iſt ſie?“ fragte er vor Zorn ganz heißer.
„Die Häuſerbewohner haben ſie mir vor den Au⸗ gen weggenommen,“ verſetzte die Zigeunerin, zum erſtenmale das Stillſchweigen brechend.„Es war nicht meine Schuld— ich that mein Möglichſtes es zu verhindern.“
„Nicht Deine Schuld,“ wiederholte der Sohn mit einem derben Fluche;„weſſen denn? Aber es ge⸗ ſchieht mir recht— es gſchiebt mir deßhalb recht, weil ich auf Dein dummes Geſchwätz vom Geſetz des Stammes hörte, während ich ſie in meiner Gewalt hatte. Hätte ich meinem Sinne gefolgt, ſo wäre ihr die Luſt vergangen, mich verlaſſen zu wollen.“
„Kaled!“ ſagte ſeine Mutter, ihre Hand auf ſei⸗ nen Arm legend.
„Laß mich!“ rief der junge Böſewicht, indem er ihr einen Schlag verſetzte,„das iſt die Folge von Deinem gedankenloſen Geſchwätz.“
Es war fürchterlich anzuſehen, welchen Effect der Schlag auf Martha hervorbrachte. Ihr braunes Ge⸗ ſicht wurde todtenblaß; der Schauer, welcher ihren Körper durchzuckte, war der ſtille Proteſt der belei⸗ digten Natur gegen den Schimpf. Sie hatte in ihrem Leben ſchon manchen härtern Schlag erhalten, und darüber gelacht— ſie hatte dem Zorn ihres rohen Mannes getrotzt, der im Zuſtande des Rauſches und der Leidenſchaft nicht mehr wußte, was er that, ohne dabei im mindeſten ſich zu fürchten— jetzt aber ſchien ihre Kraft gebrochen und ſie ſank ohne ein Wort zu ſprechen zu Boden. Es geſchah dieß nicht


