Mademoiſelle Cochelet ſah auf ihre Uhr. Es war ſchon drei Uhr vorüber.
Der Wagen, welcher um dieſe frühe Stunde be⸗ ſtellt worden war, fuhr in dieſem Augenblicke in den Hof des Palaſtes.
„Leben Sie wohl, Madame,“ ſagte ihr Beſucher; „meine weitere Anweſenheit wäre nutzlos— am Ende gar eine Verlegenheit für Sie. Ich werde mich auf der Straße aufhalten, um zu ſehen, wie die Sache abläuft. Ich brauche nicht Ruhe und Selbſtbeherrſchung anzuempfehlen,“ fügte er hinzu, „von beiden haben Sie ſchon außerordentliche Proben abgelegt.“
Hortenſe, welche ihrer Stimme nicht zu trauen wagte, ergriff die Hand des Majors und ehe der⸗ ſelbe ihre Abſicht errathen konnte, bedeckte ſie ſie mit Küſſen.
„Ich bitte! ich bitte!“ murmelte er, von dem ſtummen Ausdruck ihrer Dankbarkeit tief ergriffen. „Ich habe nur meine Pflicht als Krieger und Mann von Gefühl erfüllt.“
„Möchte mein Sohn eines Tages im Stande ſein, Ihnen vergelten zu können, was Sie an uns gethan haben!“ murmelte Hortenſe.
Dieß war der einzige Wunſch, welchen der Eng⸗ länder nicht von Herzen theilen konnte, inſofern in dieſem Falle Erfolge vorausgehen mußten, die ſeinem Vaterlande gefährlich werden konnten.
In Augenblicken der Gefahr ſcheint Louis Na⸗ poleon ſchon von Kindheit an mit großer Selbſtbe⸗ herrſchung ausgeſtattet geweſen zu ſein. Während
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