Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

227

ſchah es aus Unwiſſenheit und gewiß nicht abſicht⸗ lich. Habe Mitleid mit mir und gib mir meinen Erſtgeborenen zurück!“

Ein leiſes heißeres Lachen ließ ſich aus dem nahen Gebüſch vernehmen, und Martha und Kaled traten aus demſelben hervor.

Als Milly ſie erblickte, wurde ſie todtenblaß; ſie kannte die mitleidsloſen Hände, in die ſie gefallen war.

„Du haſt viel Gutes unter den Häuſerbewoh⸗ nern gelernt!“ ſagte das alte Weib in höhniſchem Tone,„wenn ſie Dich auch nicht weiter als beten gelehrt haben.“

Ach! ſie hatten nicht einmal dieß ſie gelehrt.

„Mein Kind,“ murmelte Milly händeringend, „mein Kind!“

„Komm mit uns und Du ſollſt es wieder ha⸗ ben,“ antwortete Kaled.

Das unglückliche Geſchöpf zögerte.

„Wenn Du Dich weigerſt,“ bemerkte Martha, „ſo muß es bald ſterben. Bereits weint es um die Mutterbruſt.“

Mütterliche Liebe beſiegte ihre Furcht vor einer Gewaltthat, ſowie den Schmerz, von dem Manne getrennt zu werden, den ſie liebte, und ſo folgte Milly willfährig, bis ſie einen jener Karren erreich⸗ ten, in welchen die wandernden Auswürflinge der Geſellſchaft reiſen und wohnen.

„Setz Dich hinein,“ ſagte die alte Zigeunerin.

finſter;„drinnen wirſt Du den Balg finden.“ Milly ſprang in den Karren. Einen Augenblick hernach lag das Kind wieder an ihrem Srrzen