48
ziehungskraft zu haben ſchien; ja, er vermeinte ſo⸗ gar einigen Geſchmack für Mathematik in ſich zu verſpüren. Zwar hatte er allerdings nicht ſo viel Zeit zu ſeinen Studien wie ſeine Frau, was er aber durch ein überlegeneres Talent einholte. Jeden Abend hielt Emma regelmäßig Schule, in der ſie auch Kelf und Watſon zu ihren Zöglingen zählte, die, jeder in ſeiner Art, ebenfalls erſtaunenswetthe Fortſchritte machten.
Es iſt ganz merkwürdig, wie raſch die Verfei⸗ nerung des Geiſtes auf die ganze Perſönlichkeit, namentlich bei Frauen übergeht. Selbſt ihre Leh⸗ rerin war über die Anmuth erſtaunt, welche bei Nancy ſich raſch entwickelte. Ihre Manieren hatten ſich geändert, und wenn ſie auch ihre frühere Ein⸗ fachheit nicht verleugnete, ſo hätte doch ſelbſt das kritiſchſte Auge nicht den leichteſten Schatten von Plumpheit oder Derbheit zu entdecken vermocht.
Die Natur hatte ſie mit einer herrlichen Stimme begabt, einem kräftigen Mezzo⸗Sopran; allein es hatte ſehr lange gedauert, ehe ihre liebevolle Freun⸗ din es bei ihr dahin brachte, daß ſie ihn gebrauchte, während ſie doch in ihrer ſtillen Wohnung in Vaux⸗ hall zuweilen Stunden lang die Zeit ſich damit ver⸗ trieben hatte, einfache Melodien vor ſich hin zu ſummen.
Kit's Entzücken war groß, als er Nancy zum erſten Mal ein Duett mit Emma ſingen hörte.
„Das iſt wahrhaftig ein glückliches Leben!“ rief
er aus, ſeine Frau zärtlich umarmend. O Miß
Cheerly, wie viel verdanken wir Ihnen!— Sie haben Quellen des Vergnügens uns erſchloſſen, die


