Teil eines Werkes 
4. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

237

ſaß, mehr wankte, als zuſchritt und dort auf ihre Kniee ſank.

Nicht hier, ſtammelte der blinde Mann, ſie

zu ſich emporziehend,ſondern an mein Herz, da iſt Ihr Platz! Sie wiſſen Alles, ſtammelte die Baronin.

Alles, wiederholte der General.

Und vergeben mir mein Stillſchweigen?

Ein Kuß war das Siegel der Verſöhnung. Der Graf ſah dieſe Scene ohne Pein mit an; denn er hatte die Wahrheit geſagt, daß die einſt ſo heiß verehrte Adelaide jetzt nur noch eine Schweſter für ihn ſei. Mit einem Lächeln der Beftiedigung ve⸗ ließ er das Zimmer und kehrte zu ſeinen Freunden in ihr Hotel zurück.

Als Alfred von Migniot zu einer ſpätern Stunde deſſelben Tages mit dem Notar eintraf, wurde er von ſeinem Onkel im Bibliothekzimmer empfangen. Dieſer hatte ſein Teſtament vor ſich, das er dem Manne des Geſetzes mit der Aufforderung einhän⸗ digte, es laut vorzuleſen. In dieſem Documente war Alles ſeiner Gemahlin verſchrieben.

Iſt es in jeder Hinſicht geſetzlich? fragte der General, als das Vorleſen zu Ende war;iſt keine Lücke darin, die anfechtbar iſt oder es beſtreitbar machen kann?

Keine einzige.

Kann man es nicht noch bindender machen?

Unmöglich, wiederholte der Notar;aber wenn ich die Mittheilungen des Herrn Vicomte recht ver⸗ ſtunden habe, ſo wurde meine Anweſenheit deßhalb verlangt, um es zu vernichten.