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„Verſichere Dich des Knaben,“ ſprach er,„und überlaſſe den Führer mir.“
„Warten Sie,“ erwiderte Jack,„bis Sie ſehen, daß ich ihn am Kragen gefaßt habe. Er iſt behend, wie ſeine Ziegen, und wenn er Verdacht ſchöpft, ſo könnte er leicht entwiſchen, indem er die Berg⸗ wand hinunter rutſcht. Es wäre Schade, wenn man ihn erſchöſſe.“
Dieſe letztere Bemerkung war aber mehr eine Frage, als eine Aeußerung menſchlichen Gefühls.
„Thu' ihm ja nichts zu Leid!“ erwiderte der Graf.
Jack zog jetzt ein Stück Zwieback und ein halbes Huhn aus ſeiner Satteltaſche und fing an zu eſſen. Der Junge ſah ihm gierig zu.„Biſt Du hungrig?“ fragte Jack.
„Ich habe immer Hunger,“ antwortete der Knabe.
Jack hielt ihm etwas von ſeinem Imbis hin; aber kaum hatte der Junge das Dargereichte in Empfang genommen, als die Hand, welche die Wohlthat ausgetheilt hatte, ihn an ſeiner zerriſſenen Jacke faßte, in die Höhe hob und ihn wie einen Waarenballen vorne über den Sattel legte. Zu gleicher Zeit ergriff Lilini den Zügel von des Füh⸗ rers Maulthiere und drückte dieſes gewaltſam mit⸗ ten unter die Gruppe der Mitreiſenden.
„Wenn Du nur einen Laut von Dir gibſt,“ raunte Jack ſeinem ſich ſträubenden Gefangenen zu, „ſo drehe ich Dir mit eben ſo viel kaltem Blute, wie einem Feldhuhn, den Kragen um.“
Dieß wurde auf Rothwelſch geäußert. Kaum hatte der Zigeuner dieſe Töne gehört, als er ſo⸗ gleich einſah, daß ſein Verrath entdeckt ſei; er bat


