das einen Schatten über ihr ganzes Daſein gewor⸗ fen hatte und deſſen Löſung ihr um keinen Preis zu theuer ſchien.
„O Miß Cheerly,“ ſprach ſie;„wenn meine Eltern noch lebten! Wenn es mir gelänge ſie zu entdecken!— ihren Segen zu erlangen; mich von ihnen mit dem theuren Namen ihres Kindes nennen zu hören;— ich, die ich die Bande der Verwandt⸗ ſchaft nie gekannt habe. In welcher Lage des Lebens ſie ſich befänden, wäre mir gleichgültig,— wären ſie arm, ſo würde ich für ſie arbeiten,— wären ſie gottlos, für ſie beten,— aber es wäre zu ſüß, eine Mutter oder Schweſter zu haben, die ich lieben dürfte.“
„Ich begreife Ihre Gefühle, armes Mädchen, und theile ſie,“ verſetzte Emma.„Wenn wir wieder frei werden, ſo wird die Vorſehung Ihnen gewiß noch eine glückliche Zukunft gewähren. Es muß aber bald geſchehen,“ ſetzte ſie in Thränen aus⸗ brechend hinzu,„denn ich fühle, daß mein Geiſt und Herz dieſes Elend nicht mehr lange zu ertragen vermögen.“
„Sie vergeſſen, daß Kit uns nahe iſt,“ be⸗ merkte Nancy, ohne zu ahnen, wie nahe er in dieſem Augenblicke war.„Aber ſagen Sie mir,
denn mein Gedächtniß iſt ganz wirre geworden,
hatte denn dieſe grauſame Frau wirklich die Abſicht
uns zu vergiften?“
Ihre Leidensgefährtin deutete ſtillſchweigend auf
die zerbrochenen Taſſen am Boden. „Sie ſcheint ihre Abſicht zu bereuen,“ ſetzte


